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So nehmen andere Nationen die Deutschen wahr

© Denys Rudyi, AdobeStock

Insgesamt ist das internationale Deutschlandbild weiterhin positiv. In manchen Feldern allerdings attestiert man dem Land eine Diskrepanz. Dies betrifft etwa jene zwischen Anspruch und Wirklichkeit, beispielsweise wenn es um Umweltpolitik geht oder zwischen vorbildlichen Maßnahmen in der ersten Corona-Welle und schleppender Umsetzung während des weiteren Pandemieverlaufs.

Welche Folgen die Corona-Pandemie auf Deutschlands Außenbeziehungen hat, beleuchtet die Studie „Außenblick – Internationale Perspektiven auf Deutschland in Zeiten von Corona“. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Goethe-Institut haben diese Studie erhoben.

In einer Online-Befragung gaben zunächst 622 Menschen aus 37 Ländern mit fundiertem Wissen über Deutschland Auskunft, anschließend wurden 48 weitergehende Interviews in 24 Ländern geführt.

Corona-Management: Starke Leistung, aber nur am Anfang

Ein zentrales Ergebnis: Das Management der Corona-Pandemie durch die Bundesregierung im Frühjahr 2020 wird international als vorbildlich wahrgenommen. Mit Blick auf die zweite Corona-Welle zeigten sich viele Befragte jedoch verwundert über das Starttempo der Impfkampagne und mangelnde Bereitschaft in der Bevölkerung, sich an Corona-Regeln zu halten.

Die Befragten nahmen Deutschlands Management der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 überwiegend als effizient und vorbildlich wahr. Positiv bemerkt wurde die deutsche Solidarität mit anderen Ländern, deren Kapazitäten im Gesundheitssystem erschöpft waren. Nicht so in der zweiten Welle: Viele zeigten sich verwundert über immer weniger Disziplin in der Bevölkerung und Probleme bei der Beschaffung, Logistik und Organisation der Impfkampagne. Die Befragten beobachteten eine Zerrissenheit der Deutschen zwischen den Prinzipien der Selbstbestimmung, Freiheit und des Föderalismus auf der einen und der Disziplin und Regeltreue auf der anderen Seite.

Ausländische Gäste fühlen sich nicht mehr so willkommen

Kritisch werden dagegen Umweltskandale, mangelnde Digitalisierung sowie Populismus und rechtsextreme Anschläge wahrgenommen. Auch bei der Auseinandersetzung Deutschlands mit seiner Kolonialgeschichte sehen die Befragten Nachholbedarf.

VERMISCHTES Image

Die Zunahme populistischer und extremistischer Tendenzen gilt in der Außenwahrnehmung Deutschlands als eines der größten Risiken. Teilnehmerinnen und Teilnehmer beschrieben, dass sie in den vergangenen Jahren in Deutschland weniger Freundlichkeit erlebt und verstärkt das Gefühl hätten, nicht willkommen zu sein. Trotz alledem bescheinigen mehr Befragte eine positive Entwicklung als eine negative, wenn es ganz im Allgemeinen um das Sicherheitsgefühl in Deutschland geht.

VERMISCHTES Sicherheit

Digitale Infrastruktur wird stark bemängelt

Das internationale Deutschlandbild rückt vor allem die Wirtschaft und die Mitgliedschaft in der EU in den Vordergrund. Gerade bei wirtschaftlichen Aspekten, beim Gesundheitssystem oder bei internationalen Beziehungen ist das Deutschlandbild sehr positiv. Deutschland wird nach wie vor als führende Wirtschaftsmacht und stabile Demokratie betrachtet. Risse erhält das Bild bei den Themen digitale Infrastruktur und Umweltschutz. Hier attestierten die an der Studie Teilnehmenden Deutschland eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit.

VERMISCHTES Wahrnehmung

Aus Sicht der Befragten muss Deutschland seine digitale Infrastruktur ausbauen und die Rahmenbedingungen für unternehmerische Innovationen verbessern. Hinzu kommen akademische Hürden und ausgeprägte Hierarchien im deutschen Hochschul-System, die als effektive Schwächen wahrgenommen werden. Auch in puncto Umweltschutz bescheinigen die Teilnehmenden Deutschland Nachholbedarf.

Zu beobachten ist ein großes gesellschaftliches Interesse an Umweltthemen. In den Unternehmen hingegen steht das Thema zu wenig im Fokus. Das aufgenommene Deutschlandbild suggeriert eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Diese wird durch jüngste Skandale in Politik und Wirtschaft noch verstärkt. Dennoch: Eine Vorreiterrolle wird von Deutschland in den Bereichen Umweltschutz, Klimawandel sowie beim Thema Nachhaltigkeit erwartet.

Mit Blick auf die Coronapandemie und veränderte Dynamiken im internationalen Handel dürfte spannend sein, ob und inwieweit sich das Bild von Deutschland – als verlässlichem Handelspartner – verändern dürfte. Denn noch sind nicht alle Konsequenzen der Pandemie absehbar. Doch auch unabhängig von Corona lässt sich etwa ein Rückgang deutscher Investitionen ins Ausland festhalten. Der Anteil deutscher Firmen, die im Ausland investieren, ist so niedrig wie seit zehn Jahren nicht mehr. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser Trend auf die nächste Wahrnehmungs-Studie auswirken wird.

Deutschland

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Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe August 2021 des Journals "Leben und Arbeiten im Ausland".

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