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© Linus Bauer

So könnte sich die Luftfahrt-Industrie durch die Corona-Pandemie entwickeln

Die Reise- und Geschäftsflugbranche hat durch die Covid-19-Pandemie erheblichen Schaden erlitten. Nach den kürzlich veröffentlichten Zahlen des Internationalen Luftverkehrs-Verbandes (IATA) wird die weltweite Luftfahrtindustrie im Jahr 2020 252 Milliarden US-Dollar verlieren, wobei viele Fluggesellschaften Insolvenz anmelden und bis zu 90 Prozent ihrer Flugkapazitäten abbauen werden. Im Interview mit dem Nachrichtenportal der Londoner City-Universität stellt Luftfahrtexperte Linus Bauer seine Prognosen für die Zukunft der Geschäfts-Flugreisebranche.

Dass die Rückkehr zur Normalität andauere, hat mehrere Gründe. Eine der wichtigsten Hürden ist wohl die Einstellung der Flugreisenden selbst. Die Coronavirus-Pandemie hat weltweit das allgemeine Sicherheitsgefühl nachhaltig erschüttert. Entsprechend haben Fluggäste noch immer ein bedeutendes Maß an Flugangst. Selbst, wenn sie vor dem Boarding Temperaturkontrollen durchlaufen und an Bord Maskenpflicht besteht.

Branchen-Experte Linus Bauer zeigt Verständnis für erhöhten Frust beim Fliegen. Beispielhaft führt er zwei verbreitete „Luftwutauslöser“ an: „Fluggesellschaften brechen ihr Versprechen, die mittleren Sitze frei zu halten, und Passagiere treffen keine Vorkehrungen, indem sie nicht auf soziale Distanzierung achten. Die Fluggesellschaften müssen transparenter und selbstbewusster bei der Kommunikation des Protokolls zur sozialen Distanzierung sein, insbesondere im Zeitalter der sozialen Medien.“ Viele Fluggäste erwarteten, aktiv über den Ablauf im Flugbetrieb informiert zu werden. Dazu könnten etwa eine Erläuterung spezieller Hygienemaßnahmen oder eine minutengenaue Darlegung von Flugplan-Änderungen zählen. Bauer fasst zusammen: Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass eine Fluggesellschaft ihre Gesundheit und Sicherheit nicht ausreichend respektiert, werden sie schnell eine finden, die dies tut!

Normalität nicht vor 2023

Der City-Absolvent, inzwischen Managing Consultant bei Bauer Aviation Advisory und Gastdozent tätig, sieht für Geschäfts-Flugreisen keine Rückkehr der Normalität vor 2023. Und diese Rückkehr werde nicht überall auf der Welt in gleichem Tempo stattfinden. So unterstreicht Bauer den geografischen Vorteil der Länder Australien und Neuseeland, die zunächst in kleinerem Rahmen – zumindest in Teilen losgelöst von globalem Flugverkehr – eine neue Routine im Bereich Flugreisen etablieren könnten. „Eine Trans-Tasman-Reiseblase wird entstehen, sobald es sicher ist, Flüge zwischen beiden Ländern zu ermöglichen“, so Bauer im City-News-Interview. „Wenn es gut funktioniert, könnten sie erwägen, die pazifischen Inseln und Singapur einzuladen, sich dieser Blase anzuschließen.“ Dieses Modell könne sich im Anschluss als gutes Beispiel für den Rest der Welt erweisen, um die Reisen zwischen den Ländern Schritt für Schritt in Gang zu bringen.

Auch in wirtschaftlicher Sicht wird die Corona-Krise auch weiterhin dem Flugreise-Geschäft schaden. Dass die Ölpreise zurzeit auf einem niedrigen Stand verbleiben, nützt den Airlines derzeit wenig. So erläutert Bauer: „Die Fluggesellschaften berichten von massiven Verlusten beim Treibstoff-Hedging, da die Treibstoffpreise stark gefallen sind. Die Markt-zu-Markt-Verluste aus den Überschussabsicherungsgeschäften sind auch deshalb entstanden, weil Kapazitätskürzungen aufgrund von Covid-19 dazu geführt haben, dass der Treibstoffverbrauch der Fluggesellschaften in den nächsten Geschäftsjahren niedriger sein wird als bisher angenommen.“

Je länger die Corona-Krise andauert, desto stärker muss die Branche einen Mentalitätswechsel befürchten – wenn nämlich immer mehr Leute ganz praktisch erfahren, dass sie auf die eine oder andere Reise doch verzichten können. Das könne beispielsweise dazu führen, dass dauerhaft Geschäftsreisen um fünf bis acht Prozent zurückgehen wird, prognostiziert Bauer. Denn gerade jetzt florieren Telekommunikation und Videokonferenz-Tools, und immer mehr Unternehmen bemerken, dass das Online-Meeting so manchen Geschäftsflug ersetzen kann.

Herausforderungen und Chancen

Diese Kombination aus erhöhten Treibstoffkosten, Nachfragerückgang seitens der Fluggäste und Kapazitätskürzungen werde laut Bauer mittelfristig für höhere Ticketpreise sorgen. Zu Beginn allerdings sei durchaus mit niedrigeren Preisen als gewohnt zu rechnen. 

Wie in vielen Branchen sind auch im Bereich Flugreisen auch große Unternehmen auf staatliche Hilfe angewiesen, um nicht in Insolvenz gehen zu müssen. Im Fall Deutschland spricht Bauer etwa die Wiederanlage von Stabilisierungsfonds mit Sonderkrediten aus der vorangegangenen globalen Finanzkrise an. Sie sei für Aktiengesellschaften wie die Lufthansa die beste Option.

Der Luftfahrt-Experte sieht für die Branche allerdings nicht nur Herausforderungen, sondern auch Chancen. Gerade in dieser Phase, in der sich die Unternehmen neu orientieren und strukturieren müssten, könnten Themen wie Nachhaltigkeit und Umwelt mehr Aufmerksamkeit erfahren. Richtig genutzt, könne dies zu höherer betrieblicher Effizienz für die Zukunft führen.

Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe Juni 2020 des Journals "Leben und Arbeiten im Ausland".

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