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Kurs Horizont: Wenn das Zuhause Segel hat und Korallenriffe zum Vorgarten werden

03. Juli 2026
Minuten
„Was haben wir uns bloß dabei gedacht?“ Diese Frage schreien wir uns nicht selten gegen den peitschenden Wind entgegen, während die Gischt über das Deck schäumt. Es ist stockfinstere Nacht, das einzige Licht kommt von den fahlen Blitzen am Horizont, die für Sekundenbruchteile das tosende Chaos um uns herum erhellen.
Laura und Arne sind vor zwei Jahren in See gestochen und leben aktuell auf ihrer Segelyacht Moana in der Karibik. Hier ankern sie gerade vor einem wilden, einsamen Palmenstrand auf St. Vincent. © Laura Pape und Arne Weidtke
Laura und Arne sind vor zwei Jahren in See gestochen und leben aktuell auf ihrer Segelyacht Moana in der Karibik. Hier ankern sie gerade vor einem wilden, einsamen Palmenstrand auf St. Vincent. © Laura Pape und Arne Weidtke

Wir steuern unsere Moana bei 42 Knoten Wind durch ein heftiges Gewitter, das uns auf See überrascht hat. In solchen Momenten gibt es kein „rechts ranfahren“ und keinen Pause-Knopf. Wir befinden uns 50 Seemeilen (ca. 78 km) von der französischen Küste entfernt – ein einsamer Punkt auf der blauen Karte, umgeben von der unbändigen Kraft des Atlantiks.

Doch sobald der Sturm sich legt und die erste Morgensonne das Deck erwärmt, wissen wir die Antwort auf unsere Frage wieder ganz genau.

Wer wir sind: Eine Crew aus zwei Menschen und vier Pfoten

Wir sind Laura (32) und Arne (36). Seit zehn Jahren gehen wir gemeinsam durch dick und dünn – doch seit zwei Jahren hat unser „Gemeinsam“ eine völlig neue Dimension erreicht. Wir haben die Sicherheit der Großstadt und den festen Boden unter den Füßen gegen das schwankende Deck der Moana getauscht, einer 45 Fuß langen Stahl-Ketsch. Sie ist nicht nur unser Transportmittel, sie ist unser Zuhause, unser Büro und unser Schutzraum gegen die Elemente.

Vervollständigt wird unsere Crew durch ein ganz besonderes Mitglied: Unsere „Katzitänin“ Ocean. Wir haben sie auf La Gomera aus einem Tierheim adoptiert. Dass eine Katze einmal den Atlantik überqueren würde, hätten wir uns damals wohl auch nicht träumen lassen – und zuletzt wohl Ocean selbst. Heute ist sie auf See die Ruhe selbst, balanciert geschickt über das Stahldeck und erinnert uns in stressigen Momenten daran, dass ein Nickerchen in der Sonne oft die beste Strategie auf langen Segeletappen ist.

Der Traum vom „Boatlife“: Von der Idee zur Realität

Laura und Arne 2Katzitänin Ocean hat das Kommando auf der Moana und bestimmt den Kurs. © Laura Pape und Arne Weidtke

Der Entschluss, unser komplettes Leben auf ein Schiff zu verlegen, ist das Ergebnis einer spontanen Idee, die uns vor sieben Jahren wie ein Blitz traf und seitdem nie wieder losließ: Einmal mit dem Wind um die Welt! Fünf Jahre lang haben wir jede freie Minute und jeden Euro in diesen Traum investiert. Wir haben gespart, geplant, Kurse belegt und schließlich die Moana gefunden – ein 20 Tonnen schweres Stahlschiff, das zwar weniger elegant durch die Wellen tänzelt als die modernen GFK-Yachten unserer Anker-Nachbarn, uns dafür aber ein unvergleichliches Gefühl von Sicherheit schenkt.

Dieses Leben ist die pure Freiheit, aber es ist keine Dauerferien-Idylle. Es ist ein Leben in und mit der Natur. Wir bestimmen selbst, wie lange wir an einem Ort bleiben, doch am Ende ist es immer die Wetterprognose, die das letzte Wort hat. Jeder Wetterumschwung, der uns zwingt, den Anker zu lichten, ist gleichzeitig die Einladung zu einem neuen Abenteuer.

Wenn die Natur Regie führt

In den letzten zwei Jahren haben wir unzählige Buchten und Inseln kennengelernt, doch die Natur schafft es immer wieder aufs Neue, uns sprachlos zu machen. Manchmal erwachen wir und tauchen direkt neben unserem Zuhause in eine lebendige Korallenwelt ab, in der sich das Leben in allen Farben spiegelt. Ein anderes Mal sind es die üppigen, grünen Berge der Karibik, die im Morgennebel hängen, während der Gesang der aufgeweckten Tropenvögel bis zu uns ins Cockpit schallt.

Einer der emotionalsten Momente unserer Reise ereignete sich vor der französischen Karibik-Insel Guadeloupe. Eine Woche lang besuchten uns täglich Delfine. Sie hielten sich stundenlang in der Bucht auf, kreisten um unser Schiff und schienen uns regelrecht aufzufordern, zu ihnen ins Wasser zu springen. Mit diesen majestätischen Tieren im klaren, karibischen Blau abzutauchen, ist eine Erfahrung, die sich kaum in Worte fassen lässt. In solchen Momenten steht die Welt still. Dass unsere Remote-Jobs in dieser Woche komplett liegen geblieben sind, versteht sich von selbst. Man kann nicht am Laptop sitzen, wenn direkt vor dem eigenen Bug Delfine im warmen Meerwasser spielen.

Laura und Arne 3Laura erfüllt sich ihren Kindheitstraum und taucht mit Delfinen im klaren Salzwasser ab. © Laura Pape und Arne Weidtke

Digitale Nomaden unter Segeln: Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Laura und Arne 4Kokosnüsse sind in der Karibik fast überall zu finden und reich an wertvollen Mineralstoffen. Außerdem leisten sie an verlassenen Stränden Gesellschaft. © Laura Pape und Arne Weidtke

Trotz all der Magie haben wir einen Alltag, der oft gewöhnlicher ist, als man denkt. Wir müssen unsere Lebensmittelvorräte planen, das Schiff warten und – wie fast jeder andere auch – unser Geld verdienen. Wir leben den Traum vom „Digitalen Nomadentum“. Unser Einkommen generieren wir überwiegend über Social Media. Wir führen unsere eigenen Instagram-Kanäle (@lauraundarne und @katzitaenin_ocean), die uns Werbekooperationen ermöglichen, und arbeiten zudem als Social Media Manager für verschiedene Kunden. Außerdem bauen wir gerade einen Online-Shop auf, der remote funktioniert.

Dank moderner Technik wie Solarstrom und Satelliteninternet ist dieses Leben heute für uns möglich. Vor zehn Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, mitten auf dem Ozean an einer Videokonferenz teilzunehmen. Es ist ein skurriler Kontrast: Während wir mit High-Tech-Equipment arbeiten, reparieren wir im nächsten Moment mit einfachem Werkzeug eine undichte Pumpe oder backen Brot, weil der nächste Supermarkt zwei Segeltage weit entfernt ist.

Sicherheit im Gepäck: Gesundheit auf Weltreise

Ein Thema, das bei all der Romantik oft zu kurz kommt, ist die Vorsorge. Was passiert, wenn man mitten in der Karibik krank wird oder sich bei einer Reparatur an Bord verletzt? Verletzungen gehören zum Segleralltag fast dazu – eine falsche Bewegung bei Seegang reicht aus. Zudem ist uns die jährliche Vorsorge extrem wichtig.

Laura und Arne 5In Ankerbuchten wie dieser auf Bequia parken Laura und Arne vorübergehend ihr schwimmendes Zuhause. © Laura Pape und Arne Weidtke

Hier spielt der BDAE für uns eine entscheidende Rolle. Als Expat-Versicherung gibt er uns die Freiheit, unsere Ärzte weltweit flexibel zu wählen. Ob in einer modernen Klinik in Europa oder bei einem Allgemeinmediziner auf einer kleinen Karibikinsel – wir wissen, dass wir abgesichert sind. Die Herausforderungen sind ohnehin groß genug: Sprachbarrieren, die Logistik vom Schiff an Land oder das Timing zwischen Arzttermin und passendem Wetterfenster für die Weiterreise. Umso beruhigender ist es, dass die bürokratische Seite reibungslos funktioniert. Dass wir unsere Arztrechnungen unkompliziert via App einreichen können und die Erstattung zügig erfolgt, spart uns die Zeit, die wir lieber in die Pflege der Moana oder die Planung unserer nächsten Route stecken.

Laura und Arne 6Das Zuhause von Laura, Arne und Katzitänin Ocean heißt „Moana“, ist aus Stahl und 13 Meter lang. © Laura Pape und Arne Weidtke

Ein Blick nach vorn: Die Einsamkeit des Pazifiks ruft

Laura und Arne 7Statt Süßwasserdusche: Baden unterm Wasserfall – mitten im Dschungel. © Laura Pape und Arne Weidtke

Hinter uns liegen bereits über 7.000 Seemeilen entlang der klassischen „Barfußroute“ von Deutschland über den Atlantik. Doch unsere Pläne werden mutiger. Uns zieht es an Orte, die auf kaum einer touristischen Karte auftauchen. Wir träumen von den nahezu unbewohnten Inseln vor der venezolanischen Küste und bereiten uns gedanklich schon auf unseren bisher größten Meilenstein vor – auch wenn dieser noch einige Monate in der Zukunft liegt: Die Überquerung des Pazifiks nach Französisch-Polynesien.

Einen Monat lang werden wir nur von Wasser umgeben sein. So weit weg vom Festland, wie man auf diesem Planeten nur sein kann. Natürlich schwingt bei diesem Gedanken auch Respekt mit, vielleicht sogar ein wenig Angst. Wir wissen nicht genau, welche Gefahren uns erwarten und wie die medizinische Versorgung in den entlegensten Atollen aussehen wird. Aber zwischen all diesen Risiken und der harten Arbeit an Bord steckt für uns vor allem eins: Die größte Chance unseres Lebens – die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist.


Leben und Arbeiten im Ausland

Mit über 30 Jahren Erfahrung als Experte für die Absicherung im Ausland wissen wir: Ein gelungenes Leben im Ausland braucht mehr als nur guten Versicherungsschutz. Deshalb beleuchten wir für Sie alle Facetten des Auslandsalltags – von Steuern über Wohnungssuche bis hin zu kulturellen Aspekten.


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