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Internationale Entsendungen sicher gestalten: Gefährdungsbeurteilung und arbeitsmedizinische Vorsorge

16. April 2025
Minuten
International SOS ist ein weltweit führender Anbieter von medizinischen und sicherheitsrelevanten Dienstleistungen für Unternehmen und Organisationen.
Team bespricht am Laptop Maßnahmen für internationale Entsendungen – Symbolbild für Gefährdungsbeurteilung, arbeitsmedizinische Vorsorge und sicheres Arbeiten im Ausland
© Tabitha Rose/peopleimages.com, AdobeStock
© Tabitha Rose/peopleimages.com, AdobeStock

Mit einem globalen Netzwerk aus medizinischen Fachkräften, Sicherheitsanalysten und Assistance-Zentren unterstützt International SOS Arbeitgebende dabei, die Gesundheit, Sicherheit und Einsatzfähigkeit ihrer Mitarbeitenden auf Geschäftsreisen und bei internationalen Entsendungen zuverlässig zu schützen.

Globale Länderliste zur arbeitsmedizinischen Vorsorge

Seit 2018 veröffentlicht International SOS in regelmäßigen Abständen eine online verfügbare Länderliste zur arbeitsmedizinischen Vorsorge. Die Übersicht umfasst 232 Länder und ist eine Orientierungshilfe für Personalabteilungen, HSE-Manager (Health, Safety, Environment), Travel Manager sowie für betriebsärztliche Dienste.

Sie bietet Arbeitgebenden eine fundierte arbeits- und reisemedizinische Orientierung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge bei Auslandsreisen – inklusive Pflichtvorsorgen, Einreisevorgaben zu Gelbfieber und Polio, Empfehlungen zur Malariaprophylaxe sowie einem medizinischen Risk Rating je Land.

Die Liste enthält nicht nur Informationen zu verpflichtenden Vorsorgen, sondern gibt Führungskräften und Personalverantwortlichen eine verlässliche Grundlage an die Hand, um die erforderlichen Vorsorgen bei Geschäftsreisen und Entsendungen zu beurteilen. Gleichzeitig unterstützt die Übersicht sie dabei, der gesetzlichen Fürsorgepflicht nachzukommen.

„Die Länderliste unterstützt Unternehmen dabei, die arbeitsmedizinische Vorsorge vor Auslandsreisen verlässlich zu planen. Das ergänzende medizinische Risk Rating bietet eine zusätzliche Einschätzung zur allgemeinen medizinischen Lage im jeweiligen Land. Die ‚Länderliste‘ ist als sogenannte Expertenmeinung rechtlich nicht verbindlich, gibt aber eine fachlich fundiere Orientierungshilfe”, erklärt Dr. Stefan Eßer, Ärztlicher Leiter Zentraleuropa bei International SOS und einer der federführenden Experten hinter der Länderliste.

Drei Gruppen für die arbeitsmedizinische Vorsorge

Um eine einheitliche Orientierung zu bieten, werden in der Länderliste drei Gruppen unterschieden. Zur Gefährdungsgruppe 3 und damit zur höchsten Risikokategorie zählen allein 124 Länder.

Gruppe 1 (keine Vorsorge vorgeschrieben): 62 Länder – überwiegend in Europa (zum Beispiel Frankreich und die Niederlande) und Nordamerika (beispielsweise das Top-Exportziel USA). Für diese Länder ist keine arbeitsmedizinische Vorsorge verpflichtend.

Gruppe 2 (Pflichtvorsorge): 46 Länder – darunter Mexiko, Vereinigte Arabische Emirate und Singapur. Auch hier ist arbeitsmedizinische Pflichtvorsorge vorgeschrieben, jedoch ohne zwingende Einreiseimpfungen.

Gruppe 3 (Pflichtvorsorge und verpflichtende Impfungen): 124 Länder – darunter wichtige Geschäftsreiseziele wie China, Indien und Brasilien. Für diese Länder ist die arbeitsmedizinische Vorsorge laut Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) verpflichtend.

Medizinische Risikobewertung

Die Einstufungen der Länder in der Spalte „Medical Risk Rating” basieren auf arbeits- und reisemedizinischen Erfahrungswerten aus dem globalen medizinischen Netzwerk von International SOS. Über die weltweiten Assistance-Center fließen kontinuierlich Informationen zu lokalen Gesundheitsrisiken, dem Infektionsgeschehen, Umweltfaktoren, der jeweiligen medizinischen Infrastruktur, Evakuierungsfällen, Versorgungsstandards sowie möglichen administrativen oder sprachlichen Barrieren in die Bewertung ein.

Die aktualisierte Länderliste kann kostenlos unter diesem Link heruntergeladen werden.

Medizinisches Fachpersonal spricht mit einem Mitarbeiter über Gesundheitsvorsorge im beruflichen Auslandseinsatz – Symbolbild für internationale Entsendungen, Gefährdungsbeurteilung und arbeitsmedizinische Vorsorge© peopleimages.com, AdobeStock

Leitfaden zur Gefährdungsbeurteilung von Dienstreisen und Entsendungen

Unternehmen in Deutschland sind gesetzlich dazu verpflichtet, eine Gefährdungsbeurteilung durchzuführen. Damit sollen potenzielle Risiken für die Gesundheit und Sicherheit ihrer Mitarbeitenden identifiziert werden, um entsprechende Maßnahmen zur Risikominimierung zu ergreifen. Dies ist in verschiedenen Rechtsvorschriften, wie dem Arbeitsschutzgesetz, verankert.

Gefährdungsbeurteilung für berufliche Reisen und Auslandseinsätze

Die ISO 31030:2021, ein internationaler Leitfaden für das Travel Risk Management, kann hierbei als wertvolles Hilfsmittel dienen, um die Anforderungen an das Risikomanagement im Kontext von Geschäftsreisen zu erfüllen. Er bietet einen strukturierten Rahmen und bewährte Verfahren zur Bewertung und Steuerung von Risiken im Zusammenhang mit Geschäftsreisen. Durch die Anwendung der ISO 31030 können Unternehmen sicherstellen, dass ihre Reisenden gut geschützt sind und potenzielle Gefahren minimiert werden.

Denn die Ziele der Geschäftsreisen liegen nicht nur in gut erschlossenen Metropolen mit stabiler Infrastruktur, sondern zunehmend auch in Regionen mit erhöhtem Risiko wie eine eingeschränkte medizinische Versorgung, politische Unsicherheiten, Naturgefahren oder kulturelle Spannungen. Unternehmen tragen daher die Verantwortung, die Gesundheit, Sicherheit und Fürsorge der Geschäftsreisenden zu gewährleisten.

Typischen Risiken bei beruflichen Auslandsaufenthalten

Zu den typischen Risiken bei beruflichen Auslandsaufenthalten zählen eine Vielzahl potenzieller Gefährdungen, die sowohl physische als auch psychische Aspekte betreffen können:

Medizinische Risiken entstehen etwa durch Tropen- oder Infektionskrankheiten, unzureichende Notfallversorgung oder die Herausforderung, chronische Erkrankungen im Ausland angemessen zu behandeln. Hinzu kommen Sicherheitsrisiken wie Kriminalität, politische Unruhen oder extreme Wetterereignisse, die das Wohlbefinden und die Handlungsfähigkeit der Mitarbeitenden beeinträchtigen können.

Kulturelle Unterschiede können ebenfalls mit Risiken verbunden sein, sei es durch Missverständnisse im Umgang, gesetzliche Besonderheiten oder die Gefahr von Diskriminierung durch lokale Gegebenheiten. Psychosoziale Belastungen wie Isolation, Anpassungsschwierigkeiten oder familiäre Herausforderungen stellen eine weitere Ebene dar, die insbesondere bei Langzeitentsendungen an Bedeutung gewinnt.

Organisatorische Hürden wie Visabestimmungen, länderspezifische Arbeitsschutzregeln oder unzureichender Versicherungsschutz sind für Mitarbeitende im Ausland noch dazu häufige Stolpersteine, wenn es an sorgfältiger Vorbereitung seitens des Unternehmens fehlt.

Prävention und Notfallplanung für internationale Unternehmen

Um diesen Risiken wirksam zu begegnen, sollten Unternehmen frühzeitig auf Prävention und Notfallplanung setzen. Dazu gehört die medizinische Beratung vor der Abreise ebenso wie Sicherheitsbriefings und Schulungen zur interkulturellen Sensibilisierung. Notfallkontakte, Evakuierungspläne und Rückholoptionen müssen klar definiert und kommuniziert sein.

Digitale Tools zur Krisenwarnung und Kommunikation können dabei helfen, den Kontakt zu Geschäftsreisenden und international entsandten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jederzeit aufrechtzuerhalten. Regelmäßige Informationen zur aktuellen Lage vor Ort und die Integration des Reiserisikomanagements in bestehende Unternehmensprozesse runden ein professionelles Schutzkonzept ab.

Der Leitfaden kann hier kostenfrei heruntergeladen werden.


Foto von Steffi Hochgraef

Steffi Hochgraef

Steffi Hochgraef ist seit 2023 für den BDAE tätig. Sie hat ein großes Interesse an kulturellen Austauschen und Themen rund um Aufenthalte im Ausland, da sie selber für längere Zeit in Indien, Ecuador und Bolivien gelebt hat. Für den BDAE ist sie in der Unternehmenskommunikation und im Marketing tätig. Redaktionell befasst sie sich mit vielen Themen rund um das Leben und Arbeiten im Ausland und schreibt über rechtliche Aspekte beim Thema Global Mobility und längeren Auslandsaufenthalten sowie zu Reise- und interkulturellen Themen für digitale Nomad*innen, Ausgewanderte und Weltreisende.