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Über das Leben als deutsche Familie in Stockholm – oder: Wo „lagom“ das Leben und Arbeiten bestimmt - Auswandern nach Schweden

02. März 2026
Minuten
Lea Lüdemann ist 36 Jahre alt und hat sich vor zwei Jahren entschieden, mit ihrer Familie nach Stockholm auszuwandern. Da die Firma ihres Partners diesem eine Festanstellung in Stockholm ermöglichte und hinzukam, dass die Kinder der beiden noch nicht in der Schule waren, ergab sich „ein perfekter Zeitpunkt um auszuwandern“.
Bunte Holzhäuser und Boote am Wasser in Stockholm; darüber Porträt von Lea Lüdemann – Leben als deutsche Familie in Stockholm, Schweden.
Bunte Holzhäuser und Boote am Wasser in Stockholm; darüber Porträt von Lea Lüdemann – Leben als deutsche Familie in Stockholm, Schweden.© Lea Lüdemann
Bunte Holzhäuser und Boote am Wasser in Stockholm; darüber Porträt von Lea Lüdemann – Leben als deutsche Familie in Stockholm, Schweden.© Lea Lüdemann

Seite 4 von 4: Auswandern nach Schweden

 

Auswandern nach Schweden

Lea Lüdemann verrät, welche Tipps sie anderen Auswandernden mit auf den Weg geben würde – was es zu beachten gilt und, wenn es darum geht, in einem anderen Land Fuß zu fassen, was nicht unterschätzt werden sollte.

Einen Einblick in ihr Leben in Stockholm vermittelt Lea auch auf ihren Instagram-Account @iamlea­­lou und auf ihrem persönlichen Blog lealou.me oder man abon­­niert ihren monatlichen Newsletter livingwithlemons.substack.com.

Welche Tipps würdest du anderen Schwedenauswandernden mit auf den Weg geben?

Lea: Auch wenn Schweden als sehr zugängliches und einfach zu verstehendes System gilt, ist es doch erstmal überfordernd am Anfang: Es gibt tausend Dinge zu beachten und zu lernen – und alles in einer Sprache, die man möglicherweise (noch) nicht spricht. Ich würde die Botschaft des Ziellandes daher immer als Infoquelle nutzen. Man findet dort online viele Tipps zum System in dem jeweiligen Land, in das man zieht.

Durch das digitale Zeitalter ist vieles so einfach heute: Instagram-Accounts, Facebook-Gruppen oder Google Translate – all das senkt schon einmal die ersten Barrieren. Abgesehen davon: Nichts geht über Menschen. Ich habe das Glück gehabt, beispielsweise einfach über Instagram, direkt in Kontakt mit Deutschen in Schweden zu kommen, aber auch zu Schwed*innen selbst. Meine Freund*innen dort haben mir von Anfang an Tipps gegeben, Fahrpläne zur Eröffnung eines Kontos erstellt, Texte übersetzt und vieles mehr – so ein menschliches Netzwerk ist einfach unersetzlich!

Direkt zu netzwerken lohnt sich – geht mit anderen Familien in Kontakt! Wir waren anfangs sehr fleißig und haben auch auf dem Spielplatz Familien angesprochen, die jetzt, also zwei Jahre später, zu unseren engsten Freunden hier gehören. Denn wenn man keine weitere Familie als Ausgewanderter hat, muss man sich die irgendwie selbst zusammensuchen – und das ist bestimmt eines der wichtigsten Dinge.

Kleines ‚Bageri‘ in rustikalem Holzgebäude bei Stockholm – schwedische Backkultur, Fika und Alltag als deutsche Familie.Zeit für „Fika“, die schwedische Kaffee- und Kuchenmahlzeit am Nachmittag. In der „Bageri“ gibt es hausgemachte Bulle und „Bryggkaffe“ zum kostenlosen Auffüllen. @ Lea Lüdemann

Was schätzt du an Schweden als Auswandererfamilie besonders?

Lea: Ich schätze hier wirklich jeden Tag die Familienfreundlichkeit und dass Kinder als Teil des öffentlichen Lebens willkommen sind. Sie werden bei der Stadtplanung berücksichtigt, es gibt großzügige Wickelräume genauso wie fantastische Spielplätze.

Ich mag die Einstellung zum Leben der Schwed*innen: „Tar det lungt“ und „lagom“ bezeichnen so gut, wie man hier tagein, tagaus den Tag gestaltet. Ich liebe es, dass alle im Sommer das Leben genießen. Der Juli ist der Monat, in dem hier einfach „tote Hose“ ist, da kommt selbst vom Finanzamt eine „Out-of-office“-Benachrichtigung.

Ich liebe es, wie die Schwed*innen Wert auf Gemütlichkeit und Ästhetik legen. Es ist ihnen einfach wichtig, dass es gemütlich und schön ist. Und abgesehen davon ist der gastronomische Standard in Stockholm phänomenal: Wir essen hier gut, wo immer wir hin gehen.

Zu guter Letzt: Was sollte man bei einem Umzug nach Schweden auf keinen Fall unterschätzen?

Lea: Das Thema Jahreszeiten und Wetter ist hier echt so eine Sache. Meine Kinder tragen von Oktober bis Mai einen Schneeanzug – der Sommer ist wirklich kurz! Und man muss Glück haben, um einen „guten“ Sommer zu erwischen. Ich habe eine Freundin, die den Sommer in Stockholm mal mit einer toxischen Liebesaffäre verglichen hat – so nach dem Motto: Er meldet sich acht Monate nicht, kommt dann kurz für eine fantastische Zeit vorbei und verschwindet dann wieder für eine sehr lange Zeit. Das fand ich irgendwie passend, zumal das Toxische an der Wetterbeziehung wirklich ist, dass der Sommer hier so wahnsinnig toll ist und man vergisst, wie nervig der Winter sein kann…

Dass in Stockholm im Dezember die Sonne um 9 Uhr aufgeht und um 14:20 wieder untergeht, sie im Juni hingegen um 23 Uhr untergeht und um 2 Uhr wieder aufgeht, finde ich zwar immer noch krass, aber man gewöhnt sich schnell daran. Im Sommer haben wir sogenannte „Blackout-Folien“ zum Abdunkeln in den Fenstern. Und im Winter muss man eben wirklich rausgehen, solange es hell ist und die frische Luft einatmen. 

Ich finde, dass die Schwed*innen gute Möglichkeiten geschaffen haben, mit dem Winter zurechtzukommen: das Lichterfest Santa Luzia im Dezember, die vielen Kerzen oder eben das ganz alltägliche Draußensein, das schon die Kinder in der Krippe erleben – damit wird der Umgang mit den Jahreszeiten und dem Wetter als ganz normal verstanden. Schlechtes Wetter gibt es hier nicht und das einzige Mal, das morgens eine Mail von der KiTa kam, dass die Kinder an dem Tag drinnen abgegeben werden sollen statt draußen, war ein Tag im Januar mit minus 20 Grad. Sonst waren oder sind sie einfach immer draußen. 

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Lea Lüdemann

Über Lea Lüdemann

Lea Lüdemann lebt seit zwei Jahren mit ihrer Familie in Stockholm. Zuvor verbrachte sie acht Jahre in Frankfurt am Main, wo sie mit ihrem Lebenspartner und den beiden Kindern lebte und als Head of Content in einer Werbeagentur tätig war. Durch die Möglichkeit, ihre Arbeit vollständig remote aus dem Ausland fortzuführen, sowie die Festanstellung ihres Mannes in Stockholm bot sich der Familie ein günstiger Zeitpunkt für den Umzug, zumal die Kinder noch nicht schulpflichtig waren.

Buchempfehlung

In unserer Buchempfehlung geht es um „Heimwärts“ von Franziska Consolati: Eine Weltreisende findet in einem kleinen roten Haus im schwedischen Wald unerwartet ein Zuhause und erzählt, wie Renovierung, Natur, Einsamkeit und das besondere Licht des Nordens ihre Vorstellung von Heimat, Ruhe und Ankommen verändern.

Franziska Consolati: Heimwärts. Wie ich als Weltreisende unerwartet in Schweden ein Zuhause fand

Knesebeck Verlag
224 Seiten mit 25 farbigen Abbildungen
ISBN 978-3-95728-769-4
Preis: 20 Euro

VERMISCHTES Cover heimwaerts

Dieser Beitrag ist auch in der eMagazin-Ausgabe "Nordwärts: Auswandern nach Skandinavien" erschienen.

Foto von Rebecca Kalisch-Kluetz

Rebecca Kalisch-Kluetz

Rebecca Kalisch-Klütz verantwortet die Abteilung Unternehmenskommunikation und Marketing des BDAE als Leiterin seit 2024. Sie liebt es, die Welt zu bereisen und hat schon in verschiedenen Ländern der Welt gelebt. Am liebsten ist sie auf Entdeckungsreise in Südostasien. Sie schreibt gerne über andere Länder und Kulturen und ist immer auf der Suche nach individuellen, spannenden Geschichten von und über Menschen, die im Ausland leben und arbeiten.