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Über das Leben als deutsche Familie in Stockholm – oder: Wo „lagom“ das Leben und Arbeiten bestimmt - Versicherung und Sicherheit

02. März 2026
Minuten
Lea Lüdemann ist 36 Jahre alt und hat sich vor zwei Jahren entschieden, mit ihrer Familie nach Stockholm auszuwandern. Da die Firma ihres Partners diesem eine Festanstellung in Stockholm ermöglichte und hinzukam, dass die Kinder der beiden noch nicht in der Schule waren, ergab sich „ein perfekter Zeitpunkt um auszuwandern“.
Bunte Holzhäuser und Boote am Wasser in Stockholm; darüber Porträt von Lea Lüdemann – Leben als deutsche Familie in Stockholm, Schweden.
Bunte Holzhäuser und Boote am Wasser in Stockholm; darüber Porträt von Lea Lüdemann – Leben als deutsche Familie in Stockholm, Schweden.© Lea Lüdemann
Bunte Holzhäuser und Boote am Wasser in Stockholm; darüber Porträt von Lea Lüdemann – Leben als deutsche Familie in Stockholm, Schweden.© Lea Lüdemann

Seite 3 von 4: Versicherung und Sicherheit

 

Auf Nummer sicher gehen, aber wie?

In der Heimat alle Zelte abzubrechen und ins Ausland zu ziehen, bedeutet nicht nur einiges an bürokratischem und organisatorischem Aufwand, sondern ist oft auch mit Ängsten und Sorgen verbunden – insbesondere dann, wenn eine komplette Familie abgesichert und für das alltägliche Leben an dem neuen Wohnort eingerichtet werden muss. 

Die finanzielle und gesundheitliche Absicherung steht bei vielen Auswandernden ganz oben auf der Liste – so auch bei Lea Lüdemann und ihrer Familie, die ihre ganz eigenen Erfahrungen mit dem schwedischen Gesundheitssystem gemacht haben. 

Wie sieht die Gesundheitsversorgung in Schweden aus – und wie seid ihr als Familie abgesichert? 

Lea: In Schweden gibt es sage und schreibe eine Krankenversicherung für alle. Diese wird vom Staat verantwortet und ist steuerfinanziert. Diese zentrale Krankenversicherung stellt die medizinische Grundversorgung – für die man sich auch nicht explizit anmelden muss, wenn man herzieht – sicher. Sobald man sich nach dem Einzug beim „Skatteverket“, dem schwedischen Finanzamt, registriert und hier die sogenannte „Personnummer“ beantragt, startet auch der Antrag auf die Krankenversicherung. 

Ich bin seit einiger Zeit nicht mehr für meinen deutschen Arbeitgeber tätig und seitdem – gemeinsam mit meinen Kindern – „nur“ über die schwedische „Personnummer“ und die staatliche Krankenversicherung versichert. Mein Mann hat allerdings eine private Zusatzversicherung, bei der ich als Partnerin mitversichert bin. Diese ermöglicht uns zum Beispiel direkt Termine beim Spezialisten zu bekommen und nicht den Weg über den Hausarzt gehen zu müssen.

Kinder am Seeufer neben rotem Bootshaus und Steg im Raum Stockholm – Outdoorzeit, Nähe zur Natur und ‚lagom‘ im Familienalltag.Let them be free“ – in Schweden sind Lea und ihre Familie, zumindest im Sommer, draußen zuhause. © Lea Lüdemann

»Sobald man sich nach dem Einzug beim „Skatteverket“, dem schwedischen Finanzamt, registriert und hier die sogenannte „Personnummer“ beantragt, startet auch der Antrag auf die Krankenversicherung.«

Welche – im Gegensatz zu Deutschland – außergewöhnlichen Erfahrungen habt ihr bisher mit der schwedischen Krankenversicherung gemacht?

Lea: Ich persönlich war zwei Jahre lang mit einer A1-Bescheinigung vom Arbeitgeber entsendet. Das bedeutet, dass meine deutsche Krankenkasse zu der Zeit weiterhin meine Kosten übernommen hatte und ich, wann immer es möglich war, in Deutschland zu Ärzten gegangen bin – einfach, weil ich mich gut auskannte und die Ärzt*innen mich wiederum gut kannten. Mit der Beendigung der Anstellung bei meinem deutschen Arbeitgeber und dem Eintritt ins schwedische Gesundheitssystem und der zentralen Krankenkasse hat sich nun einiges verändert.

Interessant finde ich, dass im Krankheitsfall meistens so vorgegangen wird, dass man die 1177 anruft und einem dort – natürlich immer mit Angabe der „Personnummer“ – bereits weitergeholfen wird. Beispielsweise kann es zu einem Videotelefonat mit einer Krankenschwester kommen, die mit dir dann eine mögliche Diagnose und das weitere Vorgehen, wie ein Arzttermin, in Folge des Telefonats bespricht. Aber auch, wenn man nur Fragen zu Medikamenten hat, kann man die 1177 anrufen.

Die erste Anlaufstelle ist für die allermeisten Fälle jedoch der „Vårdcentral“, der Hausarzt. Dort muss man sich anfangs direkt nach dem Herziehen registrieren – wie in Deutschland eigentlich auch. Doch nur auf Überweisung des Vårdcentrals kann man Termine beim Spezialisten bekommen, das geht nicht direkt – und das ist ein großer Unterschied zu Deutschland.

Zugegebenermaßen: Etwas ungewohnt ist das alles schon. Auch den typisch deutschen Kinderarzt gibt es hier nicht. Mit Babys besucht man Hebammenpraxen, die hier alle notwendigen Untersuchungen machen und die Kleinen impfen und in der Schule übernehmen Krankenschwestern die Impfungen der Kinder.

Zu welchen Absicherungsthemen habt ihr euch vor dem Umzug nach Stockholm denn außerdem besonders viele Gedanken gemacht?

Lea: Mein Partner und ich sind nicht verheiratet. Für mich war es daher vor dem Umzug wichtig, einen Partnerschaftsvertrag aufzusetzen und mich damit abzusichern: Ich dachte, dass ich meinen Job verlieren würde, sobald ich dem Arbeitgeber erkläre, dass wir weggehen – und mit meinem Partner hatte ich vorab darüber gesprochen, wie wir es in diesem Fall handhaben und wie wir meinen potenziellen Einkommenswegfall kompensieren beziehungsweise damit umgehen würden. 

 

Auswandern nach Schweden
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Lea Lüdemann

Über Lea Lüdemann

Lea Lüdemann lebt seit zwei Jahren mit ihrer Familie in Stockholm. Zuvor verbrachte sie acht Jahre in Frankfurt am Main, wo sie mit ihrem Lebenspartner und den beiden Kindern lebte und als Head of Content in einer Werbeagentur tätig war. Durch die Möglichkeit, ihre Arbeit vollständig remote aus dem Ausland fortzuführen, sowie die Festanstellung ihres Mannes in Stockholm bot sich der Familie ein günstiger Zeitpunkt für den Umzug, zumal die Kinder noch nicht schulpflichtig waren.

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VERMISCHTES Cover heimwaerts

Dieser Beitrag ist auch in der eMagazin-Ausgabe "Nordwärts: Auswandern nach Skandinavien" erschienen.

Foto von Rebecca Kalisch-Kluetz

Rebecca Kalisch-Kluetz

Rebecca Kalisch-Klütz verantwortet die Abteilung Unternehmenskommunikation und Marketing des BDAE als Leiterin seit 2024. Sie liebt es, die Welt zu bereisen und hat schon in verschiedenen Ländern der Welt gelebt. Am liebsten ist sie auf Entdeckungsreise in Südostasien. Sie schreibt gerne über andere Länder und Kulturen und ist immer auf der Suche nach individuellen, spannenden Geschichten von und über Menschen, die im Ausland leben und arbeiten.