Schweden: Lebensqualität und moderne Gesellschaft
Das Bild vom hohen Norden ist romantisch und wird mit roten Holzhäusern, Elchen am Waldesrand, Mittsommerfesten und verschneiten Wintern gezeichnet. Doch wie lebt es sich dort wirklich – gerade für Menschen, die auswandern oder als sogenannte Expats auf Zeit in Schweden arbeiten und leben?
Ein Land mit einer Lebensphilosophie – „Lagom“ oder auch: „genau richtig“
Ein Begriff, den man in Schweden fast täglich hört, ist Lagom. Wörtlich übersetzt bedeutet er „genau richtig“ oder „nicht zu viel und nicht zu wenig“. Dieses Prinzip prägt nicht nur den Alltag, sondern auch das Selbstverständnis der schwedischen Gesellschaft.
Im Arbeitsleben bedeutet Lagom eine Balance zwischen Einsatz und Erholung zu finden – Überstunden sind daher die Ausnahme. Im sozialen Leben zeigt sich Lagom in einem bewussten und oft nachhaltigen Konsum. Getreu dem Motto lieber weniger, aber dafür hochwertiger. Und auch das Wohnen und Einrichten sind häufig vom Lagom-Gedanken geprägt und werden durch klare Linien, den Wunsch nach Funktionalität und natürlichen Materialien erlebbar gemacht.
Im Arbeitsleben wird Wert auf Balance zwischen Einsatz und Erholung gelegt © CameraCraft, AdobeStock
Für Auswandernde oder Menschen, die auf Zeit in Schweden leben, kann dieser Lebensstil inspirierend sein. So erleben diese oft – wenn sie aus einer Kultur kommen, die nach „immer mehr“ strebt – in Schweden ein eher entschleunigtes und bewussteres Leben.
Digital, effizient und unkompliziert
Wer nach Schweden zieht, merkt schnell: Das Leben hier ist stark digitalisiert.
Personnummer für Auswandernde
Die zentrale Voraussetzung für das digitalisierte Leben in Schweden ist die sogenannte “Personnummer”, genauer: eine persönliche Identifikationsnummer. Ohne sie geht fast nichts im behördlichen, aber auch alltäglichen Bereich – weder Mietvertrag noch Handyvertrag oder Bankkonto. Vergeben wird die Identifikationsnummer vom schwedischen Finanzamt Skatteverket, nachdem sie im schwedischen Einwohnermelderegister beantragt worden ist.
Die Lund-Universität – Bildung ist in Schweden weitgehend kostenlos © dudlajzov, AdobeStock
Samordningsnummer für einen zeitlich begrenzten Aufenthalt
Für internationale Fachkräfte, digitale Nomadinnen und Nomaden oder andere Personen mit vorübergehendem Aufenthalt oder ohne festen Wohnsitz, die eine Identifikationsnummer benötigen, gibt es alternativ zur “Personnummer” die sogenannte “Samordningsnummer”.
Hat man seine Identifikationsnummer erst einmal erhalten, so eröffnet sich eine Welt, in der vieles einfacher erscheint als im restlichen Europa – und sowohl die schwedische Bevölkerung als auch Auswandernde, digitale Nomadinnen und Nomaden oder internationale Fachkräfte und anderweitige Expats profitieren hiervon.
Diese digitalen Must-haves sollte man in Schweden ebenfalls kennen
BankID: ein elektronischer Ausweis, mit dem nahezu alle Behördengänge und Bankgeschäfte online erledigt werden.
Swish: eine mobile Bezahl-App, die Bargeld fast überflüssig macht – selbst auf Flohmärkten oder im Café.
1177.se: eine Gesundheitsplattform, über die Arzttermine gebucht und Rezepte digital verwaltet werden.
Steuern, Sozialleistungen und Sicherheit
Die Steuern in Schweden sind hoch. Je nach Einkommen liegt die Abgabenlast zwischen 30 und 35 Prozent, Spitzenverdiener bezahlen deutlich mehr.
Der Staat finanziert hierüber jedoch ein stabiles Sozialsystem, das für Auswandernde durchaus attraktiv ist:
- Arztbesuche sind günstig, oft unter 20 Euro, und dank des Högkostnadsskydd gibt es jährliche Obergrenzen für Gesundheitskosten.
- Bildung ist von der Kita bis zur Universität weitgehend kostenlos – auch für Kinder von Expats mit Aufenthaltsgenehmigung.
- Schweden ist grundsätzlich ein sicheres Land, es bestehen jedoch Risiken durch Kleinkriminalität in den Ballungszentren und es kommt vermehrt in Großstädten zu Bandenkriminalität.
Dieses „solidarische Modell“ schafft eine verlässliche Grundlage – gerade für Familien ein wichtiges Argument, sich für Schweden zu entscheiden.
Lebenshaltungskosten in Schweden
Ein wesentlicher Faktor, der für eine Auswanderung nach Schweden spricht, ist oft das Thema Lebenshaltungskosten – und hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Stadt und Land.
Allgemein in Schweden
Lebensmittel und Dienstleistungen sind im EU-Vergleich eher hochpreisig. Milchprodukte, Kaffee oder Brot sind deutlich teurer als etwa in Deutschland, dafür sind Bildung und Gesundheitsversorgung nahezu kostenfrei.

In Stockholm
Die Hauptstadt zählt zu den teuersten Städten Nordeuropas. Besonders Mieten verschlingen einen großen Teil des Einkommens – ein zentrales Thema für Expats. Auch Restaurantbesuche, Freizeitaktivitäten und Alkohol schlagen hier stärker zu Buche.
Auf dem Land
Wer außerhalb der Metropolen lebt, profitiert von günstigeren Mieten, regionalen Produkten und einer insgesamt niedrigeren Kostenstruktur – muss dafür aber Abstriche bei Infrastruktur und Jobmöglichkeiten machen.
Wohnen in Schweden
Die wohl größte Herausforderung für Neuankömmlinge ist die Wohnungssuche in Schweden.
Traditionelles schwedisches rotes Haus © Lars Johansson, AdobeStock
Leben in der Stadt
Besonders in den Großstädten Stockholm, Göteborg und Malmö ist der Wohnungsmarkt angespannt – offizielle Langzeitmietverträge, sogenannte Förstahandskontrakt, sind begehrt und die Wartezeit beträgt oft mehrere Jahre.

Leben auf dem Land
Wer in ländlichere Regionen zieht, stößt zwar auf weniger Konkurrenz und deutlich günstigere Preise – er oder sie muss dafür aber längere Arbeitswege in Kauf nehmen.
Leben auf Zeit
Für international tätige Personen, die lediglich eine bestimmte Zeit in den Städten arbeiten und leben möchten, ist deshalb meist ein Zwischenmietvertrag (Andrahandskontrakt) die erste Wahl. Und wer länger bleiben möchte, startet seinen Aufenthalt oft in Serviced Apartments oder Airbnbs, bevor die Suche nach einer langfristigen Lösung beginnt.
Stockholm – die Metropole des Nordens
Stockholm ist für viele Auswandernde der erste Anlaufpunkt. Die Stadt verteilt sich auf 14 Inseln, verbunden durch Brücken und Fähren – eine Mischung aus Natur, Wasser und urbanem Leben, die ihresgleichen sucht.
Altstadt: Die Gamla Stan mit ihren engen Gassen und bunten Fassaden ist touristischer Mittelpunkt, aber auch für Neuankömmlinge ein Ort, an dem Geschichte lebendig wird.
Bunte Fassaden in Stockholm Gamla Stan, Schweden, im Sonnenlicht – Altstadt-Architektur © Arcady, AdobeStock
Kultur & Lifestyle: Museen wie das Vasa-Museum oder moderne Orte wie Fotografiska prägen die Kulturszene. Cafés und Fika-Tradition sind im Alltag unverzichtbar.
Mobilität: Stockholm gilt als Fahrrad- und ÖPNV-freundlich. Die Tunnelbana (U-Bahn) ist nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern wegen ihrer kunstvollen Stationen eine Sehenswürdigkeit für sich.
Pendeltåg in Stockholm, Schweden, vor Stadshuset und Riddarholmskirche – öffentlicher Nahverkehr © Roland, AdobeStock
Expats & internationale Community: Durch zahlreiche internationale Unternehmen und Start-ups gibt es eine lebendige Expat-Szene, viele Networking-Events und internationale Schulen. Englisch ist Alltagssprache, doch auch hier gilt: Schwedisch öffnet mehr Türen.
Für Expats bietet Stockholm einen spannenden Mix: hohe Lebensqualität, kulturelle Vielfalt, berufliche Chancen – allerdings zu hohen Kosten und mit den bereits erwähnten Herausforderungen am Wohnungsmarkt.
