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Schweden: Lebensqualität und moderne Gesellschaft

07. Januar 2026
Minuten
Schweden gilt für viele Auswandernde als Sehnsuchtsort, der endlose Wälder, glitzernde Seen, moderne Städte und eine Gesellschaft, die sich Offenheit, Gleichstellung und Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat, verspricht. 
Stockholm, Schweden: Hafenpanorama mit schwedischer Flagge, Gamla Stan und Ausflugsschiff
© f11photo, AdobeStock
© f11photo, AdobeStock

Das Bild vom hohen Norden ist romantisch und wird mit roten Holzhäusern, Elchen am Waldesrand, Mittsommerfesten und verschneiten Wintern gezeichnet. Doch wie lebt es sich dort wirklich – gerade für Menschen, die auswandern oder als sogenannte Expats auf Zeit in Schweden arbeiten und leben?

Ein Land mit einer Lebensphilosophie – „Lagom“ oder auch: „genau richtig“

Ein Begriff, den man in Schweden fast täglich hört, ist Lagom. Wörtlich übersetzt bedeutet er „genau richtig“ oder „nicht zu viel und nicht zu wenig“. Dieses Prinzip prägt nicht nur den Alltag, sondern auch das Selbstverständnis der schwedischen Gesellschaft.

Im Arbeitsleben bedeutet Lagom eine Balance zwischen Einsatz und Erholung zu finden – Überstunden sind daher die Ausnahme. Im sozialen Leben zeigt sich Lagom in einem bewussten und oft nachhaltigen Konsum. Getreu dem Motto lieber weniger, aber dafür hochwertiger. Und auch das Wohnen und Einrichten sind häufig vom Lagom-Gedanken geprägt und werden durch klare Linien, den Wunsch nach Funktionalität und natürlichen Materialien erlebbar gemacht.

Mann arbeitet in einer Holzhütte am Laptop, Blick auf verschneite Landschaft – Remote Work in Skandinavien © CameraCraft, AdobeStockIm Arbeitsleben wird Wert auf Balance zwischen Einsatz und Erholung gelegt © CameraCraft, AdobeStock

Für Auswandernde oder Menschen, die auf Zeit in Schweden leben, kann dieser Lebensstil inspirierend sein. So erleben diese oft – wenn sie aus einer Kultur kommen, die nach „immer mehr“ strebt – in Schweden ein eher entschleunigtes und bewussteres Leben.

Digital, effizient und unkompliziert

Wer nach Schweden zieht, merkt schnell: Das Leben hier ist stark digitalisiert.

Personnummer für Auswandernde

Die zentrale Voraussetzung für das digitalisierte Leben in Schweden ist die sogenannte “Personnummer”, genauer: eine persönliche Identifikationsnummer. Ohne sie geht fast nichts im behördlichen, aber auch alltäglichen Bereich – weder Mietvertrag noch Handyvertrag oder Bankkonto. Vergeben wird die Identifikationsnummer vom schwedischen Finanzamt Skatteverket, nachdem sie im schwedischen Einwohnermelderegister beantragt worden ist.

Die Lund-Universität –  Bildung ist in Schweden weitgehend kostenlos © dudlajzov, AdobeStockDie Lund-Universität – Bildung ist in Schweden weitgehend kostenlos © dudlajzov, AdobeStock

Samordningsnummer für einen zeitlich begrenzten Aufenthalt

Für internationale Fachkräfte, digitale Nomadinnen und Nomaden oder andere Personen mit vorübergehendem Aufenthalt oder ohne festen Wohnsitz, die eine Identifikationsnummer benötigen, gibt es alternativ zur “Personnummer” die sogenannte “Samordningsnummer”.

Hat man seine Identifikationsnummer erst einmal erhalten, so eröffnet sich eine Welt, in der vieles einfacher erscheint als im restlichen Europa – und sowohl die schwedische Bevölkerung als auch Auswandernde, digitale Nomadinnen und Nomaden oder internationale Fachkräfte und anderweitige Expats profitieren hiervon.

Info-Icon für Schweden-Länderprofil – Hinweis und Zusatzinformationen

Diese digitalen Must-haves sollte man in Schweden ebenfalls kennen

BankID: ein elektronischer Ausweis, mit dem nahezu alle Behördengänge und Bankgeschäfte online erledigt werden.

Swish: eine mobile Bezahl-App, die Bargeld fast überflüssig macht – selbst auf Flohmärkten oder im Café.

1177.se: eine Gesundheitsplattform, über die Arzttermine gebucht und Rezepte digital verwaltet werden.

Steuern, Sozialleistungen und Sicherheit

Die Steuern in Schweden sind hoch. Je nach Einkommen liegt die Abgabenlast zwischen 30 und 35 Prozent, Spitzenverdiener bezahlen deutlich mehr.

Der Staat finanziert hierüber jedoch ein stabiles Sozialsystem, das für Auswandernde durchaus attraktiv ist:

  • Arztbesuche sind günstig, oft unter 20 Euro, und dank des Högkostnadsskydd gibt es jährliche Obergrenzen für Gesundheitskosten.
  • Bildung ist von der Kita bis zur Universität weitgehend kostenlos – auch für Kinder von Expats mit Aufenthaltsgenehmigung.
  • Schweden ist grundsätzlich ein sicheres Land, es bestehen jedoch Risiken durch Kleinkriminalität in den Ballungszentren und es kommt vermehrt in Großstädten zu Bandenkriminalität.

Dieses „solidarische Modell“ schafft eine verlässliche Grundlage – gerade für Familien ein wichtiges Argument, sich für Schweden zu entscheiden. 

Lebenshaltungskosten in Schweden

Ein wesentlicher Faktor, der für eine Auswanderung nach Schweden spricht, ist oft das Thema Lebenshaltungskosten – und hier zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen Stadt und Land.

Allgemein in Schweden

Lebensmittel und Dienstleistungen sind im EU-Vergleich eher hochpreisig. Milchprodukte, Kaffee oder Brot sind deutlich teurer als etwa in Deutschland, dafür sind Bildung und Gesundheitsversorgung nahezu kostenfrei.

Schweden: Lebenshaltungskosten-Index nach Stadt 2025 – Stockholm, Malmö, Göteborg und Lund mit Miete, Essen und Kaufkraft

In Stockholm

Die Hauptstadt zählt zu den teuersten Städten Nordeuropas. Besonders Mieten verschlingen einen großen Teil des Einkommens – ein zentrales Thema für Expats. Auch Restaurantbesuche, Freizeitaktivitäten und Alkohol schlagen hier stärker zu Buche.

Auf dem Land

Wer außerhalb der Metropolen lebt, profitiert von günstigeren Mieten, regionalen Produkten und einer insgesamt niedrigeren Kostenstruktur – muss dafür aber Abstriche bei Infrastruktur und Jobmöglichkeiten machen.

Wohnen in Schweden

Die wohl größte Herausforderung für Neuankömmlinge ist die Wohnungssuche in Schweden.

Rotes Holzhaus im Schnee, Winterlandschaft in Skandinavien – typisch nordisches LandhausTraditionelles schwedisches rotes Haus © Lars Johansson, AdobeStock

Leben in der Stadt

Besonders in den Großstädten Stockholm, Göteborg und Malmö ist der Wohnungsmarkt angespannt – offizielle Langzeitmietverträge, sogenannte Förstahandskontrakt, sind begehrt und die Wartezeit beträgt oft mehrere Jahre.

Schweden: Verteilung der Lebenshaltungskosten 2025 nach Kategorien wie Lebensmittel, Miete, Gaststätten und Verkehr

Leben auf dem Land

Wer in ländlichere Regionen zieht, stößt zwar auf weniger Konkurrenz und deutlich günstigere Preise – er oder sie muss dafür aber längere Arbeitswege in Kauf nehmen.

Leben auf Zeit

Für international tätige Personen, die lediglich eine bestimmte Zeit in den Städten arbeiten und leben möchten, ist deshalb meist ein Zwischenmietvertrag (Andrahandskontrakt) die erste Wahl. Und wer länger bleiben möchte, startet seinen Aufenthalt oft in Serviced Apartments oder Airbnbs, bevor die Suche nach einer langfristigen Lösung beginnt.

Stockholm – die Metropole des Nordens

Stockholm ist für viele Auswandernde der erste Anlaufpunkt. Die Stadt verteilt sich auf 14 Inseln, verbunden durch Brücken und Fähren – eine Mischung aus Natur, Wasser und urbanem Leben, die ihresgleichen sucht.

Altstadt: Die Gamla Stan mit ihren engen Gassen und bunten Fassaden ist touristischer Mittelpunkt, aber auch für Neuankömmlinge ein Ort, an dem Geschichte lebendig wird.

Bunte Fassaden in Stockholm Gamla Stan, Schweden, im Sonnenlicht – Altstadt-ArchitekturBunte Fassaden in Stockholm Gamla Stan, Schweden, im Sonnenlicht – Altstadt-Architektur © Arcady, AdobeStock

Kultur & Lifestyle: Museen wie das Vasa-Museum oder moderne Orte wie Fotografiska prägen die Kulturszene. Cafés und Fika-Tradition sind im Alltag unverzichtbar.

Mobilität: Stockholm gilt als Fahrrad- und ÖPNV-freundlich. Die Tunnelbana (U-Bahn) ist nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern wegen ihrer kunstvollen Stationen eine Sehenswürdigkeit für sich.

Pendeltåg in Stockholm, Schweden, vor Stadshuset und Riddarholmskirche – öffentlicher NahverkehrPendeltåg in Stockholm, Schweden, vor Stadshuset und Riddarholmskirche – öffentlicher Nahverkehr © Roland, AdobeStock

Expats & internationale Community: Durch zahlreiche internationale Unternehmen und Start-ups gibt es eine lebendige Expat-Szene, viele Networking-Events und internationale Schulen. Englisch ist Alltagssprache, doch auch hier gilt: Schwedisch öffnet mehr Türen.

Für Expats bietet Stockholm einen spannenden Mix: hohe Lebensqualität, kulturelle Vielfalt, berufliche Chancen – allerdings zu hohen Kosten und mit den bereits erwähnten Herausforderungen am Wohnungsmarkt.

Dieser Beitrag ist auch in der eMagazin-Ausgabe "Remote Work weltweit: Arbeiten, wo andere Urlaub machen" erschienen.

Foto von Rebecca Kalisch-Kluetz

Rebecca Kalisch-Kluetz

Rebecca Kalisch-Klütz verantwortet die Abteilung Unternehmenskommunikation und Marketing des BDAE als Leiterin seit 2024. Sie liebt es, die Welt zu bereisen und hat schon in verschiedenen Ländern der Welt gelebt. Am liebsten ist sie auf Entdeckungsreise in Südostasien. Sie schreibt gerne über andere Länder und Kulturen und ist immer auf der Suche nach individuellen, spannenden Geschichten von und über Menschen, die im Ausland leben und arbeiten.