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„Ich bin wirklich wahnsinnig glücklich darüber, wo ich heute stehen darf.“

02. Januar 2026
Minuten
Autorin Franziska Consolati spricht über das Auswandern nach Schweden und darüber, was Heimat eigentlich bedeutet.
Autorin Franziska Consolati in ihrer neuen Heimat Schweden.

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Viele Menschen träumen davon, die Welt zu bereisen und vielleicht auch irgendwann den Schritt zu wagen, im Ausland ein neues Leben aufzubauen. Die Gründe dafür sind vielfältig und nicht immer ist es ein Ziel, dass es zu verwirklichen gilt. Manchmal passiert es ganz unverhofft, während man irgendwo fernab von Deutschland merkt, dass man vielleicht einen Ort braucht, der einem die Rastlosigkeit nimmt.

Für Franziska Consolati und ihren Partner Felix begann dieser Weg eher leise und unscheinbar – bis ein kleines rotes Haus in Schweden alles veränderte. 2024 erschien ihr Buch „Heimwärts – Wie ich als Weltreisende unerwartet in Schweden ein Zuhause fand“, in dem sie ihren Weg von der Rastlosigkeit des Reisens hin zum Ankommen beschreibt.

Nun ist ein Jahr verstrichen und aus dem einst als kleiner Hafen gedachtes, rotes Häuschen, irgendwo im Nirgendwo von Småland, hat sich viel mehr entwickelt. Was alles gewachsen ist in dieser Zeit, was sich verändert hat und ob Schweden nun ein fester Ort – ein Zuhause – geworden ist, darüber haben wir uns mit Franziska ausgetauscht.

Ein kleines Haus mitten im Wald Smålands.Der Ort, der Franziska ihre Rastlosigkeit geommen hat: ein kleines Haus mitten im Wald Smålands. © Franziska Consolati

Die Entscheidung für einen Ort zum Ankommen

Den konkreten Moment der Entscheidung für ein dauerhaftes Niederlassen in Schweden gab es laut Franziska nicht, sie sagt, „dass das viel mehr ein schleichender Weg zu dieser Erkenntnis war als ein einzelner Moment. Felix und ich haben beide unabhängig voneinander gespürt, dass wir so gerne irgendwo ankommen möchten. Und, dass es für uns persönlich nicht die Lösung ist, dauerhaft zwischen zwei Ländern zu pendeln – immer mit einem Fuß in Deutschland, mit dem anderen in Schweden zu stehen. Überall zu sein, aber nirgendwo so richtig“. Eine Veränderung musste her und damit galt es, eine Entscheidung zwischen diesen beiden Ländern zu treffen: „Weil wir in den Jahren merkten, wie gut uns das schwedische Umfeld in unterschiedlicher Hinsicht tut, hat es uns in den Norden gezogen.“ Schweden wird nun ihre Heimat, oder doch ihr Zuhause?

Was bedeutet eigentlich Heimat? Ist es gleichzusetzen mit Zuhause?

Für Franziska ist es das nicht. „Heimat ist ein behütetes Gefühl für mich und hat viel mit dem Bekannten zu tun und mit Gewohnheiten, die sich über Jahre (oder sogar Jahrzehnte hinweg) entwickelt haben“, sagt sie. Heimat verbindet sie nach wie vor sehr stark mit den oberbayerischen Alpen, in derer Kulisse sie aufgewachsen ist: Gedanken an die Sommer in ihrer Kindheit, an Wanderungen mit den Eltern und Großeltern und die Tage, in denen sie mit ihren Freunden auf den Feldern und in den Wäldern unterwegs war. „Heimat ist dieses vertraute Gefühl. Berge, Biergarten-Besuche, Abende am See mit Freunden und Brezen am Bahnhof.“

Ihr Zuhause hingegen war viele Jahre lang dort, wo auch Felix war, bedingt durch ihre vielen Reisen und einige Umzüge. „Zuhause ist vielmehr ein Ist-Zustand als Erinnerungen in die Vergangenheit“, so Franziska. Heute, auf ihrem Hof in Nordschweden, spürt sie dieses Gefühl immer stärker – im Alltag, der ihr einfach gut tut, im immer wieder neu entdecken der sich verändernden Jahreszeiten und wie gerne sie mit den Menschen vor Ort zusammen ist. „Und das merke ich daran, dass es dieser Ort ist, der mir am meisten fehlt, wenn ich unterwegs bin“, erzählt Franziska.

Auf die Frage, ob sie sich heute als Auswanderin fühlt, sagt Franziska: „Auswandern klingt in meinen Ohren nacheinem sehr, sehr großen Wort, das vielleicht sogar eine gewisse Schwere in sich trägt. Ich denke dann zum Bei-spiel an Familien, die einst den Schritt gewagt und vor einigen Jahrzehnten mit einem Schiff in die USA übergesetzt haben. Nachdem sie sich in dieser neuen Welt niedergelassen haben, wurden sie in ihrer alten Heimat quasi nie wieder gesehen.“ Für sie stammt der Begriff aus einer anderen Zeit, weswegen sie sich nicht allzu gut als Auswanderin identifizieren kann. „Ich würde schlicht sagen, dass ich umgezogen bin. Nicht innerhalb meines Heimatlandes, sondern in ein anderes Land, dem ich mich aktuell zugehöriger fühle.“

Über Franziska Consolati

Franziska Consolati (geboren 1993) ist Autorin und Abenteurerin. Aufgewachsen ist sie in den Bayrischen Alpen.

Mit ihren Geschichten hat sie den ITB Buch Award sowie bereits zweimal den Autorenwettbewerb des Reiseblogs The Travel Episodes und von Malik National Geographic gewonnen. Auf ihrem Blog ins-nirgendwo-bitte und auf Instagram hält sie in Bildern und Geschichtenfest, wie schön sie die Welt findet.

Sie hat zudem ein Buch über Reise Hacks für Klimabewusste geschrieben (erschienen im Conbook Verlag).

Wir haben bereits ein Interview mit der Autorin geführt. Dieses können Interessierte hier lesen.

Das Umschlagbild eines Buches, das eine Wanderin in einer schwedischen Landschaft zeigt.

Lesetipp

Franziska Consolati: Heimwärts. Wie ich als Weltreisende unerwartet in Schweden ein Zuhause fand

Knesebeck Verlag

224 Seiten mit 25 farbigen Abbildungen

ISBN 978-3-95728-769-4

Preis: 20 Euro.

Hier bestellen


Foto von Steffi Hochgraef

Steffi Hochgraef

Steffi Hochgraef ist seit 2023 für den BDAE tätig. Sie hat ein großes Interesse an kulturellen Austauschen und Themen rund um Aufenthalte im Ausland, da sie selber für längere Zeit in Indien, Ecuador und Bolivien gelebt hat. Für den BDAE ist sie in der Unternehmenskommunikation und im Marketing tätig. Redaktionell befasst sie sich mit vielen Themen rund um das Leben und Arbeiten im Ausland und schreibt über rechtliche Aspekte beim Thema Global Mobility und längeren Auslandsaufenthalten sowie zu Reise- und interkulturellen Themen für digitale Nomad*innen, Ausgewanderte und Weltreisende.