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Podcast: „Ich will dann mal weg“ – Was Auswandernde in Dänemark wirklich erwartet (Teil 2)

12. Dezember 2025
Minuten
MarKo Petersohn im Gespräch mit Michael Gackstatter und Omer Dotou über ein neues Leben in Dänemark.
Frau, und Kind posieren mit ihrem Hund an einem Bootssteg in der Abendsonne.
© Виктор Осипенко, AdobeStock
© Виктор Осипенко, AdobeStock

Nachdem es im ersten Teil der Trilogie um die Grundlagen wie Vorbereitung, digitale Identität und Anwartschaftsversicherung ging, widmet sich Moderator MarKo Petersohn diesmal den Themen, die beim tatsächlichen Umzug nach Dänemark entscheidend werden. Es geht um Einwanderungsregeln, das Gesundheitssystem und um steuerliche Stolpersteine, die vor allem Unternehmerinnen und Unternehmer betreffen.

Mit dabei sind erneut zwei Gäste, die ihre Perspektiven aus Praxis und Beratung einbringen:

 

Portrait von Michael Gackstatter

Michael Gackstatter

Gründer von TODAY, dem AI-Vertriebsassistenten für Finanzberaterinnen und -berater, der selbst nach Dänemark ausgewandert ist.

Portrait von Omer Dotou

Omer Dotou

Leiter Global Mobility Services bei BDAE Consult. Berät seit über 13 Jahren Unternehmen und Privatpersonen zu Auslandseinsätzen, Entsendungen und Auslandsversicherungen.

Einwanderung nach Dänemark: Kein "einfach mal ummelden"

Wer glaubt, man könne einfach über die Grenze fahren und sich ummelden, merkt schnell: So unkompliziert funktioniert der Schritt nach Dänemark nicht. Der Staat prüft genau, wer kommt und wie die eigene Existenz gesichert ist. Ein Arbeitsvertrag hilft, alternativ müssen ausreichende finanzielle Mittel nachgewiesen werden – und die liegen schnell bei über 30.000 Euro pro Jahr.

Auch bei Sozialleistungen zeigt sich Dänemark zurückhaltend: Anspruch hat meist nur, wer bereits lange im Land lebt. Gleichzeitig legt der Staat großen Wert auf Integration und darauf, dass sich keine abgeschotteten Gruppen bilden. Eine "deutsche Enklave" innerhalb der Stadt – das möchte man dort ausdrücklich vermeiden.

Gut organisiert ist dagegen der offizielle Einstieg: Wer eine Adresse hat, kann sich im International House in Kopenhagen registrieren und erhält die wichtige Bürgernummer, die den Zugang zu nahezu allen Bereichen des Alltags öffnet.

Sprache: Mit Englisch starten, mit Dänisch ankommen

Für den Anfang reicht Englisch in der Regel vollkommen aus – in Kopenhagen sprechen selbst Kinder oft fließend. Wer jedoch richtig im Land ankommen möchte, merkt schnell: Ohne Dänisch geht es auf Dauer nicht.

Der Staat investiert daher gezielt in Sprachförderung. In den ersten fünf Jahren haben Einwandernde Anspruch auf kostenlose Dänischkurse (gegen ein rückerstattbares Pfand). Für eine spätere Einbürgerung ist ein bestimmtes Niveau – etwa der PD3 – Pflicht.

Michael und seine Partnerin nutzen diese Angebote aktiv. Ihr Fazit: Gerade für deutschsprachige Lernende kann ein Unterricht mit deutscher Lehrkraft hilfreich sein, weil viele Begriffe eng am Deutschen liegen.

Gesundheitssystem: Steuerfinanziert und durchdigitalisiert

Im Gespräch erklärt Omer Dotou, wie das dänische Gesundheitssystem organisiert ist – nämlich vollständig steuerfinanziert. Wer im Land lebt und Lohnsteuer zahlt, ist automatisch versorgt und hat Anspruch auf die Grundbehandlung.

Versichert wird in zwei Gruppen: einerseits mit klassischer Hausarztbindung und Überweisungssystem, ähnlich wie in Großbritannien. Alternativ mit mehr Freiheiten bei der Arztwahl, dafür höherer Selbstbeteiligung.

Die medizinische Versorgung sei insgesamt vergleichbar mit Deutschland, aber anders organisiert und deutlich digitaler. Viele Deutsche entscheiden sich daher zusätzlich für eine private Zusatzversicherung, um das gewohnte Leistungsniveau abzubilden.

Wegzugsbesteuerung: Das unterschätzte Thema für Unternehmer*innen

Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt in dieser Folge ein Punkt, der häufig unterschätzt wird: die Wegzugsbesteuerung in Deutschland. Sie betrifft schon Personen mit kleinen Beteiligungen an Kapitalgesellschaften – oft ab einem Prozent – und führt dazu, dass Wertsteigerungen im Unternehmen versteuert werden müssen, auch wenn gar kein Verkauf stattgefunden hat.

Omer Dotou betont, dass dieses Thema nicht ohne spezialisierte Steuerberatung angegangen werden sollte. Michael Gackstatter berichtet, dass ihn der Prozess zwei Jahre lang begleitet hat, inklusive Wartezeit auf den finalen Steuerbescheid.

Sein Rat: Wer ernsthaft auswandern möchte, sollte frühzeitig mit Finanzamt und Expert*innen sprechen, statt erst kurz vor dem Umzug.

Steuern und Verwaltung: Hohe Abgaben, hohe Effizienz

Steuerlich ist Dänemark kein Steuerparadies, im Gegenteil, der Steuersatz ist hoch. Gleichzeitig überzeugt das Land durch eine sehr nutzerfreundliche Verwaltung:

Die hohen Abgaben stehen einem klar strukturierten, modernen Verwaltungssystem gegenüber. Steuererklärungen lassen sich online in wenigen Minuten erledigen, Behörden sind gut erreichbar und die gesamte Kommunikation läuft digital.

Für Michael Gackstatter ist das ein fairer Deal: viel Steuerlast, aber auch eine sichtbare Gegenleistung in Form guter Infrastruktur, verlässlicher Betreuung und funktionierender staatlicher Prozesse.

Fazit: Gute Chancen für alle, die vorbereitet sind

Der zweite Teil der Dänemark-Trilogie macht deutlich: Das Land ist ein attraktives Ziel für Auswandernde, verlangt aber klare Nachweise bei Job, Einkommen und Integration. Gleichzeitig bietet es ein modernes, steuerfinanziertes Gesundheitssystem und ein Verwaltungserlebnis, das viele positiv überrascht. Wer früh plant, sich beraten lässt und offen an die Integration herangeht, kann in Dänemark sowohl beruflich als auch privat schnell Fuß fassen.

Für seine Podcast-Reihe arbeitet der Versicherungsbote mit dem BDAE zusammen. Die aktuelle Folge wird in insgesamt drei Teilen veröffentlicht. Wer keine Folge verpassen möchte, sollte den Podcast abonnieren! Alle drei Teile der Dänemark-Reihe gibt es auf Spotify und auf Apple Podcasts: 

🎧 Hier geht es zu Teil 1 der Folge:

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🎧 Hier geht es zu Teil 2 der Folge:

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🎧 Hier geht es zu Teil 3 der Folge:

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Foto von Christian Kniese

Christian Kniese

Christian Kniese legte schon bei seinem Studium in Marburg das Hauptaugenmerk auf globale Themen. Mit dem Studium der internationalen Politik und des internationalen Rechts in Kiel rückte diese Vorliebe für Themen mit Auslandsbezug dann ganz in den Mittelpunkt.Und die zeigt sich auch an seinen Auslandsaufenthalten. Etwa an seinem Freiwilligenjahr an einer philippinischen Vorschule. Oder an seinem Erasmus-Aufenthalt in Frankreich. In seinen Beiträgen rund ums Leben und Arbeiten im Ausland legt Christian Kniese den Fokus auf interkulturelle und gesellschaftliche Aspekte.