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“Seit ich denken kann, wollte ich auswandern”

26. August 2025
Minuten
Schon als Kind hat Gunda Wörlein davon geträumt, auszuwandern. Sie wollte ins Warme, am liebsten irgendwohin ans Meer und raus aus Deutschland – auf der Suche nach einem Ort, der zu ihr und ihrer Vorstellung zu leben passt: „Ich habe schon sehr früh gemerkt, dass ich hier irgendwie nicht reinpasse. Dementsprechend habe ich dann auch mein Berufsleben darauf ausgerichtet, dass ich so schnell wie möglich ins Ausland komme“, erzählt sie. 
Gunda Wörlein und ihr Mann Tono
© Gunda Wörlein
© Gunda Wörlein

Eine Ausbildung im Hotelwesen als Grundstein

Für Gunda, die 1985 in Nürnberg geboren und aufgewachsen ist, schien ein Job als Stewardess perfekt, um ihrem Ziel näher zu kommen: „Ich habe mir gedacht, da kann ich dann die Welt sehen, das ist praktisch.“ Um als Stewardess die Welt bereisen zu können, war zu dieser Zeit jedoch vorab eine Ausbildung im Gastgewerbe notwendig. Gunda entschied sich daher, Hotelfachfrau zu werden: „Damals hieß es, um Stewardess zu werden, bräuchte man erst eine Ausbildung in der Gastronomie oder Hotellerie und anschließend könne man ein Training zur Stewardess machen. Doch während meiner Ausbildung als Hotelfachfrau habe ich mir gedacht, das ist ja eigentlich noch besser: Ich kann ja auch in Hotels im Ausland arbeiten – und bin danach ziemlich schnell nach Südostasien aufgebrochen.“

Für die Liebe nach Thailand

„Meine damalige große Liebe war halb Thailänder – und so bin ich auf Thailand gekommen. Ich war jedes Jahr dort und wusste, da möchte ich für länger hin, dort will ich leben. Und dann habe ich das auch gemacht“, erzählt Gunda Wörlein. 

Eigentlich sei sie schon 2008 ausgewandert, sagt Gunda rückblickend. Mittlerweile lebt sie mit ihrem indonesischen Mann, den sie Jahre später über einen Job in einem Resort kennengelernt hat, mitten im Dschungel auf der indonesischen Insel Morotai – weit weg von einer größeren Ortschaft, geschweige denn Stadt. Für Thailand habe sie Mitte der 2000er Jahre aber das erste Mal alle Zelte abgebrochen: „Ich habe mir dann immer über das Internet Jobs in der Hotellerie gesucht und hierüber zwei klassische Strandbars, die einmal zu einem Hotel und einmal zu einem Restaurant gehört haben, eröffnet. Aber so wirklich offiziell da arbeiten, das konnte ich dann trotzdem nicht, zusätzlich habe ich bei diesen Jobs auch nicht viel verdient.“ 

Von der Saisonarbeit zur Festanstellung in Indonesien

In südostasiatischen Ländern wie Thailand oder Indonesien legal beziehungsweise rechtssicher zu arbeiten, ist laut Gunda Wörlein nicht so einfach, wie man sich das vielleicht vorstellt. So müssen sich Ausländer oder Ausländerinnen je nach Land an bestimmte Kriterien halten, um dort arbeiten zu dürfen. Aus diesem Grund ist Gunda in den ersten Thailand-Jahren auch oft im Sommer nach Deutschland zurückkehrt. 

Ab 2010 hat sie dann eine Weile als Tauchlehrerin nicht nur in Thailand, sondern auch auf den Malediven und in ihrem späteren Wahl-Heimatland Indonesien gearbeitet. 

Weiterhin auf der Suche nach einem langfristigen Job ist Gunda, nachdem sie 2014 erneut für ein Tourismusstudium nach Deutschland gegangen ist, schließlich wieder in der Hotellerie gelandet: dieses Mal als Managerin eines Tauchresorts auf einer indonesischen Insel in Raja Ampat – ein Beruf, den sie auch tatsächlich ausführen durfte und der sie 2017 dazu bewegt hat, komplett auszuwandern: „Zu diesem Zeitpunkt stand für mich fest: Okay, ich habe eine Arbeitserlaubnis und einen Jahresvertrag. Ich besitze ein Aufenthaltsvisum. Für mich war klar, dass ich nun endlich etwas Handfestes habe und den quasi letzten Schritt gehen kann.“

"Seit ich denken kann, wollte ich auswandern – schon als kleines Kind war das irgendwie immer präsent: Ich wollte irgendwo leben, wo es warm ist. Am Meer möglichst, wo ich einen Strand in der Nähe habe."

Haus mit SolaranlageMit ihrem Haus erfüllt sich Gunda Wörlein einen Lebenstraum © Gunda Wörlein

In Indonesien als Ausländer*in arbeiten: was ist erlaubt? 

„Rein rechtlich reicht in Indonesien ein klassisches Aufenthaltsvisum beziehungsweise eine Aufenthaltserlaubnis – sogenannte KITAS – nicht aus, um als Ausländer oder Ausländerin hier arbeiten zu dürfen“, erklärt Gunda, die mittlerweile andere Ausländer und Ausländerinnen rund um das Thema Auswandern nach Indonesien sowie die Arbeitsmöglichkeiten und -bedingungen berät. So ist neben dem KITAS auch eine Arbeitserlaubnis – als IMTA bezeichnet – notwendig, die von einem Unternehmen in Indonesien unter bestimmten Voraussetzungen beantragt werden kann.

Bei der Wahl des Jobs gibt es ebenfalls Einschränkungen: „Ausländer oder Ausländerinnen dürfen nur bestimmte Jobs als Angestellte in Indonesien ausüben – und relevant ist hierbei, dass sie keine Tätigkeit übernehmen, die auch ein Indonesier hätte machen können.“

Das Traumhaus von Gunda WörleinMit ihrem Haus erfüllt sich Gunda Wörlein einen Lebenstraum © Gunda Wörlein

Neben Ausländern und Ausländerinnen, die bei einer indonesischen Firma – unter den der Landesregierung vorgegebenen Bedingungen – angestellt sind, dürfen auch Angestellte von ausländischen Firmen mit Sitz in Indonesien vor Ort arbeiten. Ausländische Firmen mit Sitz in Indonesien beantragen dann für die eingestellten Ausländer und Ausländerinnen eine IMTA.

Digitales Nomadentum auf Bali & Co.

Nicht alle sind sich, was das Thema Auswandern angeht, so sicher wie Gunda Wörlein – und so kann es sich anbieten, erst einmal auf Probe eine bestimmte Zeit im Ausland zu arbeiten und zu leben. Neben der Möglichkeit, im Rahmen einer Anstellung in Indonesien zu arbeiten, wählen viele Menschen auch die durchaus flexiblere Variante als digitale Nomaden beziehungsweise Nomadinnen unterwegs zu sein. Für Indonesien sind Bali oder Jakarta sicherlich die hierfür bekanntesten Hotspots.

„Das vermutlich größte Problem für Menschen, die hier als selbstständig arbeitende digitale Nomaden oder Nomadinnen unterwegs sind, ist, dass es kein offizielles Digital Nomad Visa gibt und man sich damit in einer Grauzone bewegt“, erklärt Gunda die aktuelle Situation: „Vielen ist das wahrscheinlich gar nicht bewusst.“ In Indonesien gibt es nämlich kein Visum, dass das Arbeiten als selbstständig arbeitender digitaler Nomade oder digitale Nomadin erlaubt – nur für diejenigen, die bei einer ausländischen Firma mit Sitz im Ausland angestellt sind, gibt es eine Lösung: Das Remote Worker-Visa.

Das Digital-Nomad-Visa, von dem man auch im Falle der Selbstständigkeit profitieren würde und das vor einiger Zeit angekündigt wurde, ist hingegen bis heute nicht realisiert worden: „Ich glaube, dass viele digitale Nomaden und Nomadinnen auf Bali & Co. ohne Arbeitserlaubnis unterwegs sind – und damit befinden sie sich derzeit eben in besagter Grauzone“, beschreibt Gunda die Situation vor Ort. „Die indonesische Regierung duldet diese Menschen aktuell stillschweigend, aber wenn man kontrolliert wird und keinen rechtsgültigen Nachweis hat, dass man hier arbeiten darf, hat man ein Problem“, warnt sie. „Es gibt übrigens auch viele Agenturen in Indonesien, die diese Situation ausnutzen und einem erzählen, dass man über sie ein Arbeitsvisum kaufen kann“, fährt Gunda fort. „Und wenn es blöd läuft, dann kann es passieren, dass man die nötigen Dokumente für das Visum bei einer Kontrolle nicht nachweisen kann und die Papiere somit nicht gültig sind – da muss man wirklich aufpassen.“ Am Ende müsse jeder Einzelne selbst entscheiden, wie er oder sie vorgeht – dass es beim Thema Arbeiten in Indonesien allerdings viele Herausforderungen gibt und dabei zu helfen, hier Licht ins Dunkel zu bringen, ist Gunda sehr wichtig.

Tägliche Besucher: Nashornvögel im Garten von Gunda WörleinTägliche Besucher: Nashornvögel in Gundas Garten © Gunda Wörlein

„Die meisten Nomaden und Nomadinnen sind mit einem Besuchervisum in Indonesien unterwegs“, schließt Gunda Wörlein. „Dieses Visum ist allerdings nur sechs Monate gültig und ermöglicht es einem auch nicht, beispielsweise Steuern zu zahlen. Nach den sechs Monaten begeben sich viele digitale Nomaden und Nomadinnen dann auf einen Visa-Run: Sie verlassen das Land und kommen wieder. So leben sie am Ende länger oder lange hier, aber zahlen eben keine Steuern – und das ist ein Problem. Denn wer arbeitet, sollte eigentlich auch Steuern zahlen.“ 

Über die ungeplante Liebe und die Suche nach einem neuen Zuhause

Gunda Wörlein hat schließlich, nachdem sie sich entschlossen hat als Managerin des Tauchresorts „richtig“ nach Indonesien auszuwandern, ihren heutigen Mann kennengelernt: „Ich war da auf dieser Insel und eigentlich überhaupt nicht auf der Suche. Ich war so happy mit mir und meinem Leben, weil ich nun endlich da angekommen bin, wo ich immer sein wollte.“ Beziehungen unter Arbeitskollegen und -kolleginnen wurden in dem Tauchresort nicht gern gesehen: „Unsere Chefin wollte das nicht – das waren ihre Regeln und wir wussten das, daher war das okay. Irgendwann war klar, dass ich mich für ihn entscheide und nicht für die Arbeit, also habe ich die Insel nach einem Jahr wieder verlassen“, erzählt Gunda. 

Indonesien ist, führt sie fort, traditioneller als Deutschland, insbesondere was die Familie betrifft. Für beide war daher klar, dass sie heiraten wollen – „und für mich hat es natürlich auch einiges erleichtert, beispielsweise das Visum betreffend“, ergänzt sie. 2020, inmitten der Coronapandemie, haben sie und ihr heutiger Mann schließlich geheiratet. Die Frage, wo sie künftig wohnen und was sie sich dort aufbauen wollen, galt es nun als nächstes zu beantworten.

„Mein Mann ist Bauleiter und hat viele Resorts gebaut und Projekte geführt. Da, wo noch viel Natur, wo es ruhig und auch günstig ist – denn auf den beliebtesten Inseln Indonesiens ist das Land bereits unbezahlbar –, wollten wir hin. So sind wir dann hier auf der Insel Morotai in den Nord-Molukken, einer super-abgelegenen Region, gelandet“, erklärt Gunda. Gemeinsam mit ihrem Mann lebt sie heute im Dschungel auf einem Berg mit Meerblick. Zu ihrem 5-Hektar-großen Grundstück gehört auch ein Hektar ursprünglichen Dschungels – „und der bleibt auch so“, konstatiert sie. Eine Kokosplantage ist ebenso Teil des Grundstücks, zudem gehören viele Obstbäume, die das Paar selbst gepflanzt hat, dazu. „Wir haben hier unser Haus und achten sehr auf Nachhaltigkeit. Wir besitzen eine Solaranlage auf dem Dach, wir haben unser eigenes Wasser und einen Müllverbrennungsofen im Garten, weil der Müll sonst einfach hier irgendwo in der Natur landen würde.“

Als Frau eines Indonesiers selbstständig tätig

Als ausländische Ehefrau eines Indonesiers besitzt Gunda Wörlein ein Aufenthaltsvisum und nimmt, was das Arbeiten betrifft, eine Sonderstellung ein: „Als Frau eines indonesischen Staatsbürgers darf ich auf selbstständiger Basis die Familie unterstützen.“

Ein Sonnenuntergangs-Panorama mit Blick auf das Meer.Gunda Wörlein hat sich für ein Leben auf der indonesischen Insel Moratai entschieden. © Gunda Wörlein

Als Gunda 2008 Deutschland verlassen hat, musste sie in Südostasien noch Internet-Cafés aufsuchen, um den Kontakt zu ihrer Familie in Deutschland halten zu können. Seit 2019 ist sie selbstständig und das vor allem online: „Ich habe gemerkt, dass Auswandern meine Welt ist – immerhin habe ich alle Stationen durchgemacht: von meinen Jobs als Barchefin und Tauchlehrerin über eine Festanstellung in dem Tauchresort bis zur Selbstständigkeit. Ich habe geheiratet, Land gekauft und ein Haus gebaut“, fährt sie fort. Viele Themen, die (angehende) Auswandernde beschäftigen, hat Gunda persönlich erlebt. Mittlerweile arbeitet sie als Beraterin für Kunden und Kundinnen im Ausland, mit denen sie online zum Beispiel per Video kommuniziert, hat einen Auswander-Guide zum Thema geschrieben und bietet einen Podcast an. 

Im Dschungel sollte man lieber nicht krank werden

Neben den vielen Vorteilen, die das freie und unabhängige Leben im tiefsten Dschungel für Gunda und ihren Mann so attraktiv machen, gibt es auch ein paar negative Aspekte: So ist die gesundheitliche Situation unabhängig von Themen wie Visa oder Arbeitserlaubnis enorm wichtig – und fernab von größeren Städten gestaltet sich diese sehr schwierig. 

„Beim Thema Gesundheit kommt es natürlich ein bisschen darauf an, wo man ist“, erklärt die Auswander-Beraterin. „Der Standard in Indonesien ist allgemein nicht so gut – da sieht es in Thailand mit Bangkok beispielsweise weitaus besser aus. Oder in Singapur. Aber das ist halt auch teuer.“ Nichtsdestotrotz, sagt Gunda, fühle sie sich auf Bali oder in Jakarta beispielsweise sehr gut versorgt: „Da gibt es tolle internationale Krankenhäuser mit Ärzten und Ärztinnen, die Englisch sprechen oder aber gute Spezialisten und Spezialistinnen“, begründet sie ihre Einschätzung. Doch bestünde Indonesien natürlich nicht nur aus den größeren oder internationalisierten Städten und Orten: „Je abgelegener man lebt und je weiter man von diesen Städten wegkommt, desto schlimmer ist es. Also… bei uns hier in der Ecke, da brauchen die Einheimischen und Ortsansässigen nicht ins Krankenhaus gehen. Hier muss man einfach gut auf sich aufpassen und hoffen, dass nichts passiert – und wenn etwas passiert, dann gucken, dass man schnell woanders hinkommt.“ Einer von vielen Gründen, sich mit Blick auf die eigene Gesundheit bestmöglich abzusichern.

Gunda, die über den EXPAT INFINITY abgesichert ist und hierüber auch ihren Mann mitversichert hat, hebt hervor: „Die meisten privaten Versicherungen für das Land, in dem du lebst, sind für Einheimische wie meinen Mann superteuer – und ich bin einfach froh, dass ich ihn hierüber mitversichern kann.“ Ein weiterer Grund, warum sie sich für eine zusätzliche private Absicherung und konkret für den EXPAT INFINITY entschieden hat, ist die zusätzliche Absicherung in Deutschland. „Auch, wenn das mit Blick auf das Visum für meinen Mann jedes Mal eine bürokratische Herausforderung ist – wir versuchen, regelmäßig meine Familie in Deutschland zu besuchen. Und hier dann entsprechend abgesichert zu sein, ist uns enorm wichtig.“ 

Über Gunda Wörlein

Gunda Wörlein ist 1985 in Nürnberg geboren und direkt im Anschluss an ihre Ausbildung als Hotelfachfrau nach Südostasien aufgebrochen – Thailand war damals ihre erste Destination. Die heute 40-Jährige war sehr lange unterwegs, unter anderem als Barchefin, Tauchlehrerin und Resortmanagerin.

Mittlerweile lebt sie in Indonesien und arbeitet von dort aus als freie Autorin und selbstständige Beraterin für Ausländer und Ausländerinnen, die sich für das Auswandern nach und das Leben in Indonesien interessieren. Neben der persönlichen Beratung hat sie auch einen Auswander-Guide für Indonesien geschrieben.

Mehr Informationen hierzu gibt es auf ihrer Website gundaswelt.de

Darüber hinaus kann man in ihrem eigenen Podcast „Laptop Sambal Sonnenhut – Der Indonesien-Podcast“ sehr viel über das Land erfahren.

Dieser Beitrag ist auch in der eMagazin-Ausgabe "Remote Work weltweit: Arbeiten, wo andere Urlaub machen" erschienen.

Foto von Rebecca Kalisch-Kluetz

Rebecca Kalisch-Kluetz

Rebecca Kalisch-Klütz verantwortet die Abteilung Unternehmenskommunikation und Marketing des BDAE als Leiterin seit 2024. Sie liebt es, die Welt zu bereisen und hat schon in verschiedenen Ländern der Welt gelebt. Am liebsten ist sie auf Entdeckungsreise in Südostasien. Sie schreibt gerne über andere Länder und Kulturen und ist immer auf der Suche nach individuellen, spannenden Geschichten von und über Menschen, die im Ausland leben und arbeiten.