Die neue Arbeitswelt: Diese Vor- und Nachteile bringt Remote Work mit sich - Die Nachteile von Remote Work

Seite 2 von 2: Die Nachteile von Remote Work
Freiheit und Eigenverantwortung: Die Attribute, die Remote Work auszeichnen und so attraktiv machen, bringenauch Nachteile mit sich. Erfolgt das Arbeiten im Ausland,so verschärfen sich mitunter die Probleme.
(Übertriebene) Selbstkontrolle
Da Vorgesetzte (oder Auftraggeberinnen und Auftraggeberim Falle von Selbstständigen) die Arbeit nicht mehr so gutüberwachen können, obliegt der Arbeitskraft eine höhereVerantwortung, sich selbst zu kontrollieren – ob es nun umdie Anzahl der Stunden, die Zahl der geleisteten Aufgabenoder die Qualität der Arbeit geht. Sich selbst zu überwa-chen braucht aber ein höheres Maß an Disziplin als eineArbeit, bei der man sich auf die direktere Kontrolle, aberdamit eben auch auf direkteres Feedback verlassen kann.
Vorgesetzte (oder Auftraggeberinnen und Auftraggeber im Falle von Selbstständigen) die Arbeit nicht mehr so gutüberwachen können, obliegt der Arbeitskraft eine höhere Verantwortung, sich selbst zu kontrollieren – ob es nun um die Anzahl der Stunden, die Zahl der geleisteten Aufgaben oder die Qualität der Arbeit geht. Sich selbst zu überwachen braucht aber ein höheres Maß an Disziplin als eine Arbeit, bei der man sich auf die direktere Kontrolle, aber damit eben auch auf direkteres Feedback verlassen kann.
In der Rückschau auf die Zeit der Corona-Pandemie hat sich das Bild bestätigt, dass Remote-Arbeitende dazu tendieren, mehr Stunden zu arbeiten. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Möglicherweise hat man ein nur mäßiges Talent für Zeitmanagement. Oder man hat im Vergleich zur Büroarbeit das Gefühl, man müsse bessere Arbeits-leistung erbringen – um ja sicherzustellen, dass alle Beteiligten zufrieden mit dem Arbeitsergebnis sind, damit die lieb gewonnene Konstellation „Arbeiten, wo ich will“ nicht von Unternehmensseite angezweifelt wird.
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Dieses Problem aufseiten des oder der Arbeitnehmenden kann sogar noch (unfreiwillig) durch den Arbeitgeberverschärft werden: Nämlich dann, wenn aufgrund eines (wenngleich nur wahrgenommenen, nicht aber realen) Kontrollverlustes der Arbeitgebende Kontrollmechanismen verschärft. Das können versteckte Kontrollanrufe sein, das Anweisen einer umfassenderen Dokumentation der Arbeitszeit oder invasive Überwachungssoftware.
Eine Folge dieser Autonomie ist aber auch, dass nichtmehr primär die Arbeitszeit, sondern die Arbeitsergebnisse für die Bewertung der Arbeitsleistung herangezogen werden können. „Gute Arbeit“ im Homeoffice kann nur entstehen, wenn Führungskräfte genau abwägen, ob die Arbeitsaufgaben auch in den betrieblich vereinbarten Arbeitszeiten zu leisten sind. Somit steigt paradoxerweise auch die Verantwortung eines Managers oder einer Ma-nagerin, wenn ein Team-Mitglied dauerhaft von zu Hause oder aus dem Ausland arbeiten möchte.
Gestiegene Komplexität bei der Planung
Was viele Arbeitnehmende nicht wissen: Wer im Auslandselbstständig ist, als Freelancerin oder Freelancer oder Gründerin oder Gründer zum Beispiel, muss noch mehr Verantwortung tragen und Komplexität durchschauen als Unternehmende im Heimatland. Denn bei steuerlichen, versicherungstechnischen und Rentenfragen sind die Rechtsnormen gleich mehrerer Länder zu betrachten. Man muss durchschauen, wann welches Recht gilt, und welche bilateralen Regelungen es vielleicht zwischen zwei Ländern gibt. Selbst Freelancerinnen und Freelancer, die die Selbst-organisation bereits gewöhnt sind, sehen sich einer gestiegenen Komplexität ausgesetzt, sobald die Arbeit Ländergrenzen überschreitet.
Remote Work, Workation und Homeoffice im Ausland bedeuten grundsätzlich eine Tätigkeit im Ausland. Und das bedeutet wiederum, dass Mitarbeitende sich nicht (mehr)zu touristischen Zwecken im Ausland aufhalten. Somit können je nach Staatsangehörigkeit und Aufenthaltsort Arbeitsvisa oder andere Aufenthaltstitel erforderlich sein. Eine Missachtung des Aufenthaltsrechts kann eine illegale Beschäftigung zur Folge haben – in einigen Ländern mitschweren Konsequenzen, mitunter auch Freiheitsstrafen.
Wer im Rahmen einer Festanstellung aus dem Auslandarbeitet, kann im Vergleich dazu durchatmen. Denn viele organisatorische, rechtliche und steuerliche Fragen fallen dann in den Aufgabenbereich des Personal- beziehungs-weise Travel-Managements. Nichtsdestotrotz sollten An-gestellte auch hier die Augen offenhalten, da rechtlich falsche Schritte letztlich doch sie selbst betreffen.
Veränderte oder eingeschränkte Kommunikationsformen
So sehr mobile Computertechnologie die Welt vernetzt hat, so sehr kann sie auch zur Isolation führen. Denn mit dem täglichen Weg zur Arbeitsstätte fällt auch eine zentrale Sozialisationsinstanz weg. Eine Arbeitsstätte ist nie nur ein Ort, an dem Menschen „aneinander vorbei“ stillihre Arbeit verrichten. Sondern ein Ort des Austausches, der Gruppenbildung, des gemeinsamen Mittagessens.
In der genannten Umfrage des Fraunhofer-Instituts gab mehr als die Hälfte der Befragten an, durch Remote Work weniger sozialen Austausch zu haben und knapp ein Viertel stellte weniger kreatives Zusammenarbeiten fest. Das kann längerfristig negative Folgen für Produktivität, Zusammenarbeit, betriebliche Bindung und Innovationskraft haben – und somit letztlich auch für die eigene Karriere. Denn es fehlt nicht mehr nur das nette Privat-gespräch, sondern auch die hilfreiche Zwischenfrage, die nur deswegen in den Sinn gekommen ist, weil man die Vorgesetzte eben am Drucker gesehen hat.
Flurgespräche fallen weg und die Klärung einer vermeintlichen Nichtigkeit artet aufgrund umständlicher Klicks oder Technikmacken in einen Zeitfresser aus. Videochat, KI-Avatare oder gar Virtual-Reality-Umgebungen simulieren auf beeindruckende Weise die Kommunikation von Angesicht zu Angesicht, aber sie bleiben vorerst nur das: eine Simulation. Und die wirkt psychologisch ganz anders als das originäre Gespräch, alleine wegen der unvollständigen Körpersprache und des Umstands, dass man einander nicht direkt in die Augen sieht. Kommunikations-muster müssen also angepasst werden. Gegebenenfalls verläuft die Kommunikation aufgrund unterschiedlicher Zeitzonen asynchron, was spontane Gespräche und Zwischenrufe mitunter ganz verhindert.
Dass die Sozialisation im Bürokontext wegfällt, kann durch ein ausgeprägtes Sozialleben nach Feierabend allerdings wieder ausgeglichen werden. So sehen manche Beobachterinnen und Beobachter in modernen Remote-Work-Konzepten gar die Chance, gesellschaftlichen Zusammenhalt im Wohnort zu stärken – wenn die körperliche Anwesenheit nicht mehr im Büro erforderlich ist, kann man umso größere Präsenz in der Nachbarschaft zeigen, wortwörtlich.
Diese Chance kann im Falle von Homeoffice im Ausland aber zur regelrechten Herausforderung werden. Denn in einer neuen Heimat außerhalb der Landesgrenzen müssen Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede und insgesamt ein ganz anderes Ausmaß des Eingewöhnens bewältigt werden, als es bei einem Umzug innerhalb der Landesgrenzen der Fall wäre. Ironischerweise berichten digitale Nomadinnen und Nomaden oft von großer Isolation. Denn obwohl sie viel häufiger als andere neue Gemeinschaften kennenlernen, befinden sie sich in einer nie endenden Kennenlernphase. Hinzu kommt allgemein die Hürde, einen Kulturschock überwinden zu müssen.
Eine Frage der eigenen Einstellung
Wer sich für eine Karriere entscheidet, die auf Remote Work im Ausland als tragender Säule aufbaut, verspricht sich Freiheit und Flexibilität. Doch diese Ziele erreicht man nur dann, wenn man selbst viel Eigeninitiative und Selbst-bewusstsein an den Tag legen kann. Wem das gelingt, die oder der macht aus Isolation ein Abenteuer, aus bürokratischen Hürden eine spannende Herausforderung und dem Balanceakt zwischen Beruf und Privatleben ein harmonisches, eng verzahntes Miteinander.





