Die neue Arbeitswelt: Diese Vor- und Nachteile bringt Remote Work mit sich
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Die Freiheit, den Arbeitsort flexibel zu wählen, eröffnet ganz neue Lebensmodelle. Immer mehr Menschen tauschen den klassischen Büroalltag gegen ein Leben unter Palmen, in historischen Altstädten oder pulsierenden Metropolen. Der Begriff des digitalen Nomadentums steht längst nicht mehr für ein Nischenphänomen, sondern für eine globale Bewegung. Doch wer ortsunabhängig arbeitet, muss mehr beachten als nur das WLAN-Passwort eines Cafés. Von rechtlichen Rahmenbedingungen bis hin zur passenden Absicherung über eine Auslandsversicherung – wer im Ausland lebt und arbeitet, braucht gute Vorbereitung.
Zwischen Flexibilität und Selbstdisziplin, Unabhängigkeit und Isolation bewegt sich die Diskussion um die Vor- und Nachteile von Remote Work – die hier auszugsweise wiedergegeben werden soll. Im Fokus steht dabei nicht die Unternehmensperspektive,sondern der Mensch, der die Remote-Arbeit tatsächlichausführt – ob in Selbstständigkeit oder als entsandte oderentsandter Expatriate. Nichtsdestotrotz lohnt es sich, hier und da die Perspektive von Unternehmen einzunehmen. Denn zum einen betreffen manche Herausforderungen Arbeitgebender auch den Arbeitnehmer oder die Arbeitnehmerin. Und zum anderen nehmen viele Digital Nomads durch die Gründung oder Leitung eines Unternehmens ja selbst die Rolle eines Arbeitgebers oder einer Arbeitgeberin ein.
Freiheit und Flexibilität
Die Vorteile von Remote Work sind vielschichtig. Doch wie Statista zur Spitzenzeit des Remote Work-Trends herausfand, lässt sich eine eindeutige Rangfolge erkennen, welche Aspekte den größten Anreiz schaffen, um „aus der Ferne“ zu arbeiten.

Wie das Statista-Ranking zeigt,steht an erster Stelle Freiheit – in jeglicher Form. Ganze 22 Prozent der Befragten sahen die Freiheit, sich ihre Zeit einzuteilen, wie sie möchten, als den zentralen Vorteil von Remote Work an. Und für das bloße Mehr an verfügbarer Zeitsprachen sich zwölf Prozent aus. Wer morgens nicht im Stau steht oder es sich mit dutzenden neugierigen Augenin einer U-Bahn bequem machen muss, kann die Arbeit früher beginnen und auch früher fertigstellen. Wer sich nichtzu täglicher An- und Abreise verpflichtet, kann ausschlafen, sich mehr Zeit zum Kochen nehmen oder wichtige Familienangelegenheiten abarbeiten – und hat dann mehr größere mentale Kapazitäten für konzentriertes Arbeiten. Das sorgt nicht nur für bessere Arbeitsergebnisse, sondern hat auch gesamtgesellschaftliche Vorteile. So hat jemand, die oder der nicht ans Büro gebunden ist, eher die Möglichkeit, ältere oder kranke Familienmitglieder zu pflegen oder sich ausgiebiger mit der Kindererziehung zu beschäftigen.
Und wer verfügbare Zeitblöcke individuell einteilen kann – etwa durch ein Abwechseln von fokussierter Arbeitszeit und körperlichen Aktivitäten für Haushalt oder einfach zur Muße – ist ausgelassener und ausgeglichener. Und das macht nachweislich produktiver.
Selbstbestimmtes Reisen und größere Produktivität
Das liegt auch daran, dass man die Wahl hat, einen störungsfreien Arbeitsplatz auszusuchen – oder sich einfach selbst den idealen Arbeitsplatz zu schaffen. In einer Umfrage des Fraunhofer-Instituts unter 20.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmaindustrie gaben 90 Prozent an, dass sie mobil störungsfreier und konzentrierter arbeiteten. Gut zwei Drittel gaben an, weniger unproduktive Zeiten zu haben. Konzentration muss nicht nur bedeuten, sich in einem schallisolierten Büroraum abzuschotten – manche arbeiten auch in einem bunt gemischten Co-Working-Space oder in ihrem Lieblingscafé am besten.
Der Wegfall vom täglichen Weg ins Büro, bei dem es oftmals das eigene Auto, öfter noch ein öffentliches Verkehrsmittel braucht, und damit verbundene Einsparungen waren schon seit den 1970er Jahren einzentrales aufgeführtes Argument für Remote Work, als Fortschritte in der Computertechnologie die ersten Konzepte des modernen Homeoffice möglich machten. Und diese Vorteile gelten auch heute noch. Das zumindest teilweise Wegfallen einer massenhaften Notwendigkeit, jeden Tag zureisen, senkt weltweit CO2-Emissionen, schont Ressourcen und befreit Innenstädte von Staus.
Dafür schlägt sich bei digitalen Nomadinnen und Nomaden oder bei ausgewanderten Selbstständigen der Vorteil des wegfallenden Arbeitsweges noch einmal auf eine ganz eigene Weise nieder: Anders als das Homeoffice im Arbeitsland bedeutet Remote Work aus dem Ausland häufiges Fliegen und Fahren. Doch hier handelt es sich um freiwillige Reisen, die das eigene Leben bereichern und ein einmaliges Abenteuer darstellen.
Dank moderner Technologie, die das komplette Büro tragbar und von überall auf der Welt erreichbar macht, ist die Arbeitskraft der Gegenwart potenziell wirklich mobil – anders als in der Vergangenheit, in der es zwar Vorläufer des modernen Homeoffice gab, man letztlich aber doch an den heimischen Arbeitsplatz gebunden war. Dank des selbstbestimmten Reisens bei Remote Work kann man mittlerweile nicht nur den Arbeitsplatz in ein anderes Land verlegen. Man ist nicht einmal mehr darauf angewiesen, an nur einem bestimmten Ort zuarbeiten.
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Der Stellenmarkt wird global
Remote Work macht es prinzipiell möglich, den Wohnort komplett unabhängig von der Arbeitsstätte oder, im Falle der Selbstständigkeit, vom Kundenstamm zu wählen. Umgekehrt bedeutet das aber auch, dass Remote Work es Arbeitssuchenden ermöglicht, den eigenen Stellenmarkt um ein Vielfaches zu vergrößern. Wer die Sprachbarriere überwindet und zur Ausübung des Berufs lediglich Computer-Equipment und Internetanschluss benötigt, kann sich auf Stellenangebote weltweit bewerben – ein Vorteil bei der oft frustrierenden Jobsuche. Das haben auch Unternehmen realisiert, die ihrerseits händeringend nach spezialisierten Fachkräften suchen und im Konkurrenz kampf um die besten Talente daran verzweifeln, dass zwar zahlreiche Bewerbungen eintrudeln, aber einfach nicht die oder der Richtige dabei ist. Wer eine Stelle weltweit ausschreibt, hat hier den entscheidenden Vorteil gegenüberder Konkurrenz.
Mehr noch: Inzwischen ist es für viele Bewerberinnen und Bewerber ein wichtiges Kriterium bei der Job-Suche, ob es Homeoffice-Optionen oder zumindest hybride Ansätze gibt. Die Möglichkeit, als Unternehmen Remote Work gar im Ausland anzubieten, wird zur Geheimwaffe im “War for Talents” – umso mehr, als dass statistisch gesehen diese Option bei Wissensarbeitern eher in Frage kommt. Für ausschreibende Unternehmen ist diese Option also gerade dann ein Alleinstellungsmerkmal, wenn es darum geht,hochqualifizierte Top-Talente zu gewinnen.
Remote Work ist damit weit mehr als ein Trend – es ist ein Schlüssel zu einer Arbeitswelt, die Menschen mehr Freiheit, Selbstbestimmung und Lebensqualität schenkt. Die Möglichkeit, den eigenen Arbeitsort und -rhythmus zu gestalten, eröffnet Chancen, die sowohl den Einzelnen als auch Unternehmen und Gesellschaft bereichern: von gesteigerter Produktivität und globalen Karrieremöglichkeiten bis hin zu einem nachhaltigeren Umgang mit Zeit und Ressourcen. In einer Welt, in der Grenzen zunehmend virtuell sind, zeigt Remote Work, wie Arbeit nicht nur ortsunabhängig, sondern auch zukunftsweisend gestaltet werden kann.